Direkt zum Inhalt
|
Recht & Steuern

Wie reagiere ich auf den Grundsteuer-Zahlbescheid?

Bild
Wohnsiedlung aus der Vogelperspektive

Die Grundsteuerbescheide der Gemeinden werden derzeit nach und nach versandt, sobald die Gemeinden die neuen Hebesätze für die Grundsteuer B für das Jahr 2025 festgelegt haben. Viele Eigentümer, insbesondere jene, die schon Einspruch gegen die Bewertung eingelegt haben, aber auch diejenigen, die jetzt die deutlich erhöhte Grundsteuerbelastung bemerken, fragen sich, ob und wie sie rechtlich dagegen vorgehen können.

 

Widersprüche gegen den Grundsteuerbescheid der Gemeinde, der die zu zahlende Höhe der Grundsteuer ausweist, können nur gegen die Berechnung und eine nicht korrekte Übernahme der Werte aus dem vorherigen Bescheid über den Wert- und Messbetrag gerichtet werden. Die Feststellung des steuerlichen Wertes und des Messbetrages können dadurch nicht mehr infrage gestellt werden. Zudem sind Widersprüche gegenüber der Gemeinde im Gegensatz zum Einspruch gegen die Bewertung durch das Finanzamt in aller Regel gebührenpflichtig.

 

Erfolgsaussichten eigener Klagen gering
Habe ich als Eigentümer gegen die Bewertung beziehungsweise den Messbetrag Einspruch eingelegt und wurde dieser Einspruch abgelehnt, kann nur eine Klage innerhalb der Klagefrist von einem Monat nach Bekanntgabe der Ablehnung die Bewertung weiter offenhalten. Da die Bewertung geltendes Recht umsetzt, sind hier die Erfolgsaussichten einer Klage derzeit gering.

 

Abwarten bei den Musterklagen gegen das Bundesmodell
In vielen Bundesländern mit Bundesmodell wird jedoch mit Blick auf die aktuell betriebenen Musterklagen von Haus & Grund Deutschland gemeinsam mit dem Bund der Steuerzahler das Einspruchsverfahren durch die Finanzämter derzeit nicht weiter betrieben. Man wartet die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ab; das hält die Bewertungsfälle offen. Ob und inwieweit das Bundesverfassungsgericht die aktuellen Bewertungsregeln des Bundesmodells kippt, bleibt abzuwarten. Eine Rückwirkung auf bestehende offene Fälle ist nicht wahrscheinlich, kann aber auch nicht ausgeschlossen werden. Es dürfte jedenfalls nicht schaden, den Bewertungsfall mit dem eingelegten, aber ruhenden Einspruch offenzuhalten, solange damit keine Kosten verbunden sind.

 

Zahlungspflicht besteht auch bei eingelegten Einsprüchen
In jedem Fall gilt aber, dass die eingelegten und noch offenen Einsprüche gegen die Bewertung nicht zu einem Stopp der Zahlungspflicht der Grundsteuer ab 2025 führen. Grund: Der Einspruch gegen die Bewertung hat keine aufschiebende Wirkung, er setzt also die Besteuerung nicht außer Kraft. Sollte sich aufgrund der Einsprüche aber nachträglich etwas an der Bewertung ändern, würden automatisch in der Folge auch die Zahlbescheide als Folgebescheide erneuert.

 

Dürfen die Hebesätze überhaupt steigen?
Abgesehen von der Bewertungsmethode des jeweiligen Bundeslandes kann sich die Belastung mit Grundsteuer auch deshalb deutlich erhöhen, weil eine Gemeinde den Hebesatz neu festlegt. Eine Aufkommensneutralität, also das Gleichbleiben der gesamten Grundsteuereinnahmen der Gemeinde vor und nach der Grundsteuerreform, ist keine Rechtspflicht der Gemeinde. Es handelte sich hierbei lediglich um ein politisches Versprechen auf Bundesebene durch den damaligen Finanzminister Olaf Scholz, das die Gemeinden wahlweise einlösen können – oder eben nicht.

 

Fazit

Ein Widerspruch gegen den Zahlbescheid hat nur Sinn, wenn die Berechnung falsch ist. Hierzu sollten der Wert-/Messbescheid und der Zahlbescheid miteinander abgeglichen und die Verwendung des korrekten Hebesatzes (Grundsteuer B) überprüft werden. Einer im Extremfall wirtschaftlich erdrosselnden Wirkung der neuen Grundsteuer kann derzeit allenfalls mit einem Erlass- oder Stundungsantrag begegnet werden.

Verwandte Blogartikel

Moderne Mehrfamilienhäuser mit Balkonen
Recht & Steuern
Wohnungseigentumsrecht

Die Hausgeldvorschüsse werden mit dem Beschluss über den Wirtschaftsplan fällig gestellt. Sie sollen und müssen der Gemeinschaft der...

Altbauten saniert und unsaniert nebeneinander
Recht & Steuern
Bauen & Wohnen

Sind Aufwendungen für eine Sanierungsmaßnahme sofort als Werbungskosten abziehbar oder über die gesamte Nutzungsdauer der Immobilie abzuschreiben?

Multimedia-Anschlussdose wird repariert
Recht & Steuern
Mietrecht

Ein tropfender Wasserhahn, eine defekte Steckdose oder ein klemmender Türgriff – wer muss dafür eigentlich aufkommen?

Energetische Sanierung eines Mehrfamilienhauses mit Baugerüst
Recht & Steuern
Wohnungseigentumsrecht

Energetische Modernisierungen, Brandschutz, Schadstoffsanierung oder die Erneuerung technischer Anlagen können erhebliche Kosten verursachen.

Makler und Interessenten bei der Wohnungsbesichtigung
Recht & Steuern
Mietrecht

Ein vom Vermieter eingeschalteter Makler unterliegt selbst dem Benachteiligungsverbot des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes und haftet bei...

Frau hält unbeschrifteten Briefumschlag vors Gesicht
Recht & Steuern
Mietrecht

Welche Nachforschungen sind zumutbar? Die öffentliche Zustellung stellt im Zivilprozess ein Mittel letzter Wahl dar.

Modernes Mehrfamilienhaus
Recht & Steuern
Politik & Wirtschaft

Die optimale Gestaltung der Abschreibung ist für vermietende Privatpersonen wirtschaftlich von besonderer Bedeutung.

Kinderwagen in Treppenhaus
Recht & Steuern
Mietrecht

Das Treppenhaus und der Hauseingang sind zentrale Bereiche eines Mehrfamilienhauses und geben immer wieder Anlass zu Diskussionen über Rechte und...

Immobilienmakler  und junges Paar vor Einfamilienhaus, Hauskauf
Recht & Steuern

Die Immobilienpreise ziehen vielerorts wieder an – und damit auch die Kaufnebenkosten, allen voran die Grunderwerbsteuer.

Arztpraxis in Altbauwohnung
Recht & Steuern
Mietrecht
Wohnungseigentumsrecht

Gerade in innerstädtischen Lagen fragen Vermieter immer häufiger: Darf eine Wohnung in einem Mietshaus als Arztpraxis oder für eine andere...

Modernes Wohngebäude mit Balkonen und Eigentumswohnungen
Recht & Steuern
Wohnungseigentumsrecht

Die Mitwirkungsrechte der Wohnungseigentümer sind zentral für die gemeinschaftliche Willensbildung. Doch nicht jeder fehlerhafte Beschluss ist auch...

Mann mit Sparschwein und Umzugskartons
Recht & Steuern
Mietrecht

Immer wieder hält sich die Idee, Mieter müssten in den letzten Monaten vor dem Auszug keine Miete mehr bezahlen, da der Vermieter diese mit der...

Modernes Mehrparteienhaus
Recht & Steuern
Wohnungseigentumsrecht

Nicht jeder fehlerhafte Beschluss ist auch nichtig, sondern bleibt unter Umständen wirksam, wenn er nicht fristgerecht angefochten wurde.

Moderne Wohnanlage in Deutschland
Wohnungseigentumsrecht
Recht & Steuern

Die regelmäßige Begehung der Liegenschaft gehört zum Pflichtenkern einer ordnungsgemäßen WEG-Verwaltung.

Fenster eines ausgebauten Dachgeschosses
Recht & Steuern
Wohnungseigentumsrecht

Nach Entscheidung des BGH können Gemeinschaften der Wohnungseigentümer in ihrer Gemeinschaftsordnung pauschalierte Strafzahlungen vorsehen.

 

Jetzt Haus & Grund-Mitglied werden

Sie suchen Rat zu Fragen rund um Ihre Immobilie? Wir sind für Sie da – ganz in Ihrer Nähe. Wir setzen uns engagiert, kompetent und individuell für das private Eigentum unserer Mitglieder ein.