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Mieten in Bremen: Für private Vermieter zunehmend nicht mehr auskömmlich

Die öffentliche Debatte über angeblich zu hohe Mieten in Bremen geht, aus Sicht vom Haus & Grund Landesverband Bremen e.V., an der Realität vieler privater Vermieter vorbei. Tatsächlich sind die Mieten in Bremen im Vergleich zu den laufenden Kosten der Immobilien sowie den stark gestiegenen Handwerker- und Instandhaltungskosten für zahlreiche Eigentümer nicht mehr wirtschaftlich tragfähig.

„Bremen gehört mit einer durchschnittlichen Nettokaltmiete von rund 7,50 Euro pro Quadratmeter zu den günstigsten der 20 größten Städte Deutschlands“, erklärt Ingmar Vergau, Geschäftsführer von Haus & Grund Bremen. „Seit Einführung des qualifizierten Mietspiegels Anfang 2024 zeigt sich zudem, dass bemerkenswert viele private Vermieter unterhalb des ohnehin niedrigen Mietspiegelniveaus vermieten.“

Nach Einschätzung des Eigentümerverbandes betrifft dies bei den Bestandsmieten rund 80 Prozent der Haus & Grund Mitglieder in Bremen. Gleichzeitig steigen die Kosten für Energie, Versicherungen, Grundsteuer, Instandhaltung und insbesondere Handwerkerleistungen seit Jahren deutlich an. Die Folge: Rund 13 Prozent der privaten Vermieter machen mit der Vermietung Verluste, bei über der Hälfte decken die Mieteinnahmen lediglich die laufenden Ausgaben oder unterschreiten diese sogar.

„Unsere Mitglieder sind keine anonymen Investoren, sondern ganz normale Menschen – oft mit ein oder zwei Wohnungen, häufig im selben Haus wohnend wie ihre Mieter“, so Vergau. „Viele legen großen Wert auf ein gutes und langfristiges Mietverhältnis und verzichten bewusst auf Mieterhöhungen, selbst wenn diese rechtlich möglich wären.“

Diese Einschätzung wird durch eine bundesweite Vermieterbefragung von Haus & Grund Deutschland aus dem Jahr 2025 bestätigt. Demnach passt der Großteil der privaten Vermieter die Miete während laufender Mietverhältnisse nicht an. Mietanpassungen erfolgen – wenn überhaupt – überwiegend bei Neuvermietungen und dann meist moderat. So gaben lediglich 34 Prozent der Befragten an, die Miete erst bei einer Neuvermietung zu erhöhen.

Scharfe Kritik übt Haus & Grund Bremen an der häufigen Heranziehung von Angebotsmieten aus Internetportalen zur Begründung weiterer Mietregulierungen. „Diese Angebotsmieten bilden nur einen sehr kleinen Teil des tatsächlichen Vermietungsmarktes ab und verzerren das Bild der realen Angebotsmieten erheblich“, betont Vergau.

Tatsächlich erfolge der überwiegende Teil der Neuvermietungen ohne Nutzung von Internetplattformen, etwa über persönliche Kontakte, Empfehlungen oder bestehende Mietverhältnisse. „Wer ausschließlich Online-Angebote betrachtet, erhält kein realistisches Bild der tatsächlichen Vermietungspraxis in Bremen“, so der Haus & Grund Geschäftsführer.

Vor diesem Hintergrund warnt Haus & Grund Bremen vor weiteren mietrechtlichen Eingriffen wie zusätzlichen Begrenzungen oder Verschärfungen bestehender Regelungen. Diese würden die wirtschaftliche Lage privater Vermieter weiter verschlechtern und dringend notwendige Investitionen in Instandhaltung, Modernisierung und Klimaschutz erschweren.

„Der Mietspiegel ist ein wichtiges Instrument zur Orientierung“, so Vergau. „Er darf jedoch ebenso wenig isoliert betrachtet werden wie selektive Angebotsdaten aus dem Internet. Bremen braucht eine sachliche, faktenbasierte Diskussion, die die Realität privater Vermieter berücksichtigt.“