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Haus & Grund Kiel: Wohnungen wichtiger als Parkplätze

Im Komponistenviertel in Pries-Friedrichsort sorgt der geplante Abriss eines Garagenhofs für Diskussionen. Auf dem Grundstück am Wagnerring sollen 14 Reihenhäuser entstehen, dafür würden 77 Stellplätze entfallen. Haus & Grund Kiel warnt davor, den bestehenden Parkdruck zum grundsätzlichen Argument gegen neuen Wohnraum zu machen.

„Wir können nicht auf der einen Seite mehr Wohnraum fordern und auf der anderen Seite jedes konkrete Bauvorhaben infrage stellen, sobald dafür ein Stellplatz, eine Garage oder eine andere bisherige Nutzung weichen muss. Wohnungen sind keine abstrakte Größe. Sie müssen irgendwo entstehen. Gerade in einer Stadt mit angespanntem Wohnungsmarkt sollte deshalb gelten: Wohnraum hat Priorität“, sagt Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel.

Dass der Parkdruck im Komponistenviertel hoch ist, stellt Haus & Grund Kiel dabei nicht infrage. Gerade deshalb müsse die Diskussion aber sachlich geführt werden. Die Frage, wie der ruhende Verkehr in einem gewachsenen Quartier organisiert werde, sei eine wichtige städtebauliche Aufgabe. Sie dürfe jedoch nicht dazu führen, dass auf privaten Grundstücken dringend benötigter Wohnraum grundsätzlich verhindert werde.

„Natürlich muss man sich mit der Parksituation im Quartier auseinandersetzen. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, aus jedem bestehenden Zustand einen dauerhaften Anspruch abzuleiten. Wenn wir Wohnraum schaffen wollen, müssen sich Quartiere auch verändern dürfen“, so Bergemann.

Aus Sicht von Haus & Grund Kiel ist das geplante Vorhaben zudem ein Beispiel für ein grundsätzliches Problem der Wohnungspolitik: Wohnungsbau wird häufig dort unterstützt, wo er abstrakt gefordert wird – und stößt auf Widerstand, sobald er konkret vor der eigenen Haustür stattfindet. Diese Spannung müsse politisch ausgehalten werden. Andernfalls werde aus dem berechtigten Wunsch nach mehr Wohnraum schnell ein „Bauen, aber bitte nicht hier“.

Gerade familiengerechter Wohnraum müsse dabei stärker berücksichtigt werden. Reihenhäuser seien ein Teil des Wohnungsangebots und könnten für Familien eine wichtige Alternative zur Wohnung im Mehrfamilienhaus darstellen. „Wir brauchen in Kiel nicht nur bestimmte Wohnungen für bestimmte Zielgruppen. Wir brauchen insgesamt mehr Wohnraum, auch für Familien und Menschen, die Eigentum erwerben möchten. Wer jede einzelne Wohnungsbauidee an den bestehenden Verhältnissen misst, wird den Wohnungsmarkt nicht entspannen“, sagt Bergemann.

Haus & Grund Kiel sieht deshalb auch die Stadt in der Verantwortung, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen. Der bestehende Parkdruck müsse in der Quartiersplanung berücksichtigt werden. Daraus dürfe aber kein Automatismus entstehen, nach dem zusätzliche Wohnungen grundsätzlich hinter bestehenden Stellplatzinteressen zurückstehen.

„Wir sollten uns ehrlich machen: Mehr Wohnraum wird es nicht geben, ohne dass sich in bestehenden Quartieren etwas verändert. Wer neue Wohnungen will, muss auch bereit sein, Veränderungen zu akzeptieren. Private Eigentümer und Investoren dürfen dabei nicht zum Problem erklärt werden, wenn sie auf ihren Grundstücken Wohnraum schaffen wollen. Sie sind Teil der Lösung“, so Bergemann.

Haus & Grund Kiel plädiert deshalb für eine klare Priorität: Wohnraum schaffen, private Investitionen nicht ausbremsen und gleichzeitig die Parkraumsituation im Quartier vernünftig lösen. Beides muss möglich sein, aber der bestehende Parkplatzbestand darf nicht zum Verhinderungsargument für dringend benötigten Wohnraum werden.