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Haus & Grund Kiel weist pauschale Vorwürfe von Lara Schulschenk gegen Vermieter zurück

In den Kieler Nachrichten ist am 21. Januar 2026 im Eckernförder Teil ein Interview mit der Soziologin und Buchautorin Lara Schulschenk erschienen, anlässlich ihrer Lesung aus dem Buch „No Sweet Home“ in der Eckernförder Bücherei. Darin werden Vermieterinnen und Vermieter in weiten Teilen pauschal für die angespannte Situation auf den Wohnungsmärkten verantwortlich gemacht. Haus & Grund Kiel weist diese vereinfachende Darstellung zurück und plädiert für eine faktenbasierte Einordnung.

Haus & Grund Kiel bestreitet weder Mietsteigerungen noch die Tatsache, dass es Haushalte gibt, für die Wohnen zunehmend zur finanziellen Belastung wird. „Es gibt Menschen, die Unterstützung brauchen. Das ist unstrittig“, erklärt Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel. „Gerade deshalb ist es problematisch, wenn komplexe Marktmechanismen auf moralische Schuldzuweisungen reduziert werden. Das hilft niemandem.“

Die im Interview kritisierte Einordnung von Haus & Grund Kiel zur Bezahlbarkeit der Mieten basiert auf Daten anerkannter Marktforschungsinstitute wie empirica und dem Institut der deutschen Wirtschaft. „Rund neun von zehn Mietverhältnissen sind Bestandsmieten. Diese machen die Masse des Marktes aus und entwickeln sich seit Jahren moderat, in Kiel gemessen an den Einkommen teilweise sogar rückläufig“, so Bergemann. 

Neuvertragsmieten seien hingegen von Nachholeffekten geprägt, weil private Vermieter in laufenden Verträgen selten oder sehr zurückhaltend erhöhen. „Das ist kein Ausdruck von Ausnutzung, sondern Folge jahrelanger Kostensteigerungen bei Bau, Energie, Instandhaltung und Finanzierung in einem massiv verknappten Markt.“

Auch die pauschale Kritik an Indexmieten greife schlichtweg zu kurz. Diese seien gesetzlich klar geregelt, transparent und für beide Seiten kalkulierbar. „Indexmieten folgen der Inflation. Vermieter unterliegen denselben Preissteigerungen wie Mieter. Wer dieses Instrument grundsätzlich infrage stellt, blendet diese Realität komplett aus.“

Mit Blick auf die Vermieterstruktur mahnt Haus & Grund Kiel zur Differenzierung. Zwar sei ein Großteil der Vermieterschaft privat, dies bedeute jedoch nicht anonyme Marktmacht. „Viele Vermieterinnen und Vermieter besitzen nur wenige Wohnungen, häufig als Altersvorsorge. Aus der Zahl der Objekte pauschal auf fehlende Verantwortung oder Intransparenz zu schließen, ist nicht sachgerecht und trägt Züge von purem Populismus.“

Vorschläge wie die Einführung einer „Miet-Polizei“ zeugten zudem von einem falschen Verständnis staatlicher Zuständigkeiten. „Recht wird bereits heute durch Behörden und Gerichte durchgesetzt. Wenn Gesetze schwer vollziehbar sind, liegt das an ihrer Ausgestaltung, keineswegs an einem angeblichen Kontrollvakuum. Vermieter sind keine Straftäter unter Generalverdacht“, stellt Bergemann klar.

Haus & Grund Kiel spricht sich stattdessen für eine ausgewogene Wohnungs- und Sozialpolitik aus. „Wer Menschen entlasten will, muss gezielt helfen: durch Subjektförderung für einkommensschwache Haushalte statt durch immer neue Markteingriffe, die Investitionen bremsen und den Wohnraummangel verschärfen. Pauschalisierungen tragen nicht zur Lösung bei – sie vertiefen Gräben.“