Haus & Grund Kiel warnt vor realitätsferner Absenkung von Baustandards in Kiel
Die Kieler Ratsmehrheit aus Grünen und SPD will bei Neubauprojekten abgesenkte Baustandards zulassen, um günstigere Mieten zu ermöglichen.
Haus & Grund Kiel hält diesen Ansatz für fachlich hochproblematisch und praktisch kaum umsetzbar. Unterschiedliche Ausstattungs- und Qualitätsstandards innerhalb eines Gebäudes – etwa bei Ausbauqualität oder Schallschutz – führen zu erheblichen bautechnischen und haftungsrechtlichen Risiken. „Wer in einem Objekt verschiedene Standards mischt, produziert Planungs- und Haftungsprobleme. Das ist kein einfacher Weg, sondern ein hochkomplexer“, erklärt Geschäftsführer Sönke Bergemann.
Auch baurechtlich sei der Vorstoß fragwürdig. Bauordnungen und Genehmigungsverfahren seien nicht auf stark variierende Standards innerhalb eines Gebäudes ausgelegt. Hersteller, Planer und Bauherren trügen im Zweifel erhebliche Risiken. „Die Vorstellung, man könne durch abgesenkte Standards schnell und verlässlich günstiger bauen, ist Traumtänzerei. Am Ende werden Projekte verzögert oder ganz verhindert“, so Bergemann.
Haus & Grund Kiel unterstützt das Ziel zur Stärkung des Neubaus ausdrücklich. Erfolgversprechend wäre die Absenkung oder vorübergehende Aussetzung der geforderten Quote an öffentlich-geförderten Wohnungen. „Jede neue Wohnung hilft dem Markt“, so Bergemann. Grundlegende Standards bei Schallschutz, Lüftung, Barrierefreiheit und Energieeffizienz seien jedoch nicht beliebig verhandelbar. Wer Neubau wolle, müsse Verfahren vereinfachen und Förderbedingungen verlässlich gestalten – nicht technische Risiken erhöhen.