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Haus & Grund Kiel: „Mehr Wohnraum entsteht nicht durch einen neuen staatlichen Akteur“

Der Schleswig-Holsteinische Landtag berät heute über die Errichtung eines Auszubildendenwerks. Die geplante Anstalt öffentlichen Rechts soll nach dem Vorbild des Studentenwerks unter anderem bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende schaffen. Haus & Grund Kiel sieht den Aufbau einer neuen öffentlichen Struktur kritisch. Das Land plant für das Azubiwerk einen jährlichen Zuschuss von bis zu sieben Millionen Euro.

Wir lösen den Wohnungsmangel nicht, indem wir einen weiteren Akteur schaffen, der mit öffentlichen Mitteln Wohnungen baut und verwaltet. Entscheidend ist, dass überhaupt mehr Wohnraum entsteht, und zwar dort, wo er gebraucht wird. Gerade in Kiel ist der Wohnungsmarkt angespannt. Zusätzliche Monostrukturen für einzelne Gruppen sind deshalb keine nachhaltige Antwort“, sagt Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel.

Denn die entscheidende Frage lautet auch: Wie wollen junge Menschen eigentlich wohnen? Regelmäßig nicht dauerhaft in Wohnheimen unter sich, sondern in ganz normalen Wohnungen, in normalen Mehrfamilienhäusern und gemeinsam mit anderen Menschen im Quartier. Ein gutes Angebot für Auszubildende sollte deshalb nicht neben dem bestehenden Wohnungsmarkt entstehen, sondern Teil desselben sein.

Hinzu kommt die unterschiedliche Situation in Stadt und Land. Ein Wohnheim kann in einem angespannten Markt wie Kiel punktuell helfen. Den vielen Ausbildungsplätzen im ländlichen Raum hilft ein zentral organisiertes Wohnheimkonzept dagegen kaum. Ein Wohnheim in Kiel kann einem einzelnen Auszubildenden eine Unterkunft verschaffen. Es löst aber weder den Kieler Wohnungsmangel noch das Wohnungsproblem junger Menschen im ländlichen Raum. Wenn wir dauerhaft mehr Menschen für eine Ausbildung gewinnen wollen, brauchen wir deshalb vor allem mehr bezahlbare Wohnungen an den Orten, an denen Menschen leben und arbeiten“, so Bergemann.

Aus Sicht von Haus & Grund Kiel sollte daher die individuelle Unterstützung im Mittelpunkt stehen. Wer sich eine Wohnung trotz Ausbildungsvergütung nicht leisten kann, sollte gezielt bei den Wohnkosten unterstützt werden. Der vorliegende Gesetzentwurf sieht neben Wohnheimen bereits Beratungsleistungen, eine Azubistarthilfe und einen Notlagenfonds vor.

Ausbildung verdient Unterstützung, aber daraus folgt nicht automatisch die Notwendigkeit einer neuen staatlichen Wohnungsstruktur. Wenn ein junger Mensch Unterstützung beim Wohnen braucht, sollte die Hilfe möglichst direkt bei ihm ankommen. Das schafft Wahlfreiheit und stärkt zugleich den bestehenden Wohnungsmarkt“, betont Bergemann.

Haus & Grund Kiel plädiert deshalb dafür, vorhandenen Wohnraum besser zugänglich zu machen und gleichzeitig den Neubau insgesamt zu stärken. Denn der Wohnungsmarkt braucht keine weiteren Monokulturen, sondern mehr Wohnungen für unterschiedliche Lebenssituationen. Davon profitieren am Ende auch die Auszubildenden.