Direkt zum Inhalt

Haus & Grund Kiel: „Kiel braucht eine Wohnungsmarktstrategie – keine Wohnungsmarkt-Rhetorik“

Der aktuelle Kieler Sozialbericht zeigt deutlichen Handlungsbedarf auf dem Wohnungsmarkt. Haus & Grund Kiel warnt allerdings davor, aus den beschriebenen Engpässen vorschnell eine allgemeine „Wohnungsnot“ abzuleiten und daraus einseitige politische Rezepte zu entwickeln. Der Sozialbericht verdient eine differenziertere Debatte, als sie die aktuelle Berichterstattung nahelegt.

„Wir sollten beim Thema Wohnen verbal abrüsten. Kiel hat keinen flächendeckenden Mangel an Wohnungen, sondern einen angespannten Wohnungsmarkt mit einem Angebotsproblem – und zwar insbesondere dort und in den Segmenten, in denen die Nachfrage besonders hoch ist. Der Begriff ‚Wohnungsnot‘ verschleiert diese Unterschiede eher, als dass er sie erklärt“, sagt Sönke Bergemann, Geschäftsführer von Haus & Grund Kiel.

Die Zahlen selbst zeigen, wie differenziert die Lage betrachtet werden muss: Trotz eines leichten Bevölkerungsrückgangs ist die Zahl der Haushalte gestiegen. Dahinter steht vor allem die wachsende Zahl der Einpersonenhaushalte. Das verändert die Nachfrage nach Wohnraum. Zugleich verfügt Kiel über einen Wohnungsbestand von mehr als 140.000 Wohnungen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, wie viele Wohnungen vorhanden sind, sondern welche Wohnungen an welchem Ort und zu welchen Bedingungen verfügbar sind.

Genau hier sieht Haus & Grund Kiel die zentrale wohnungspolitische Aufgabe. Kiel braucht mehr Angebot und zwar in allen Segmenten. Dazu gehören geförderte Wohnungen ebenso wie freifinanzierte Mietwohnungen, Eigentumswohnungen und Eigenheime. Auch private Eigentümerinnen und Eigentümer leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wohnraumversorgung und dürfen bei der politischen Betrachtung des Wohnungsmarktes nicht auf eine reine Kosten- oder Problemrolle reduziert werden.

„Wer das Problem fehlenden Wohnraums lösen will, muss Wohnungen schaffen. Eine Mietpreisbremse schafft keine einzige neue Wohnung. Sie hilft insbesondere den Menschen nicht, die am Wohnungsmarkt ohnehin die größten Schwierigkeiten haben, überhaupt eine Wohnung zu finden. Für diese Haushalte brauchen wir zielgenaue Unterstützung und gleichzeitig mehr Wohnraum“, so Bergemann.

Auch die im Sozialbericht genannte Zielgröße von rund 9.000 Sozialwohnungen müsse aus Sicht von Haus & Grund Kiel näher erläutert werden. Entscheidend sei, wie sich dieser Bedarf nach Haushaltsgrößen, Einkommen, Wohnungsgrößen und tatsächlicher Nachfrage zusammensetze. Wenn sozial gebundener Wohnraum benötigt werde, müsse dieser entsprechend gefördert werden. Sozialwohnungen entstehen nicht allein durch politische Zielzahlen, sondern dort, wo ihre Finanzierung wirtschaftlich darstellbar ist.

Auffällig ist aus Sicht von Haus & Grund Kiel zudem, dass in der bisherigen Debatte über den Sozialbericht die Perspektive der Wohnungswirtschaft und insbesondere der privaten Eigentümerinnen und Eigentümer kaum vorkommt. Wer Ursachen und Lösungen des angespannten Wohnungsmarktes diskutiert, sollte auch diejenigen einbeziehen, die Wohnungen bauen, finanzieren, vermieten und instandhalten. „Wer über den Wohnungsmarkt spricht, sollte auch diejenigen fragen, die Wohnraum schaffen und bewirtschaften. Sonst entsteht schnell ein politisches Bild vom Wohnungsmarkt, das mit seiner wirtschaftlichen Realität wenig zu tun hat“, sagt Bergemann.

Gleichzeitig dürfe sozialer Wohnungsbau nicht zum alleinigen Instrument der Wohnungspolitik werden. Gerade in Kiel brauche es ein breites Angebot, damit auch Haushalte mit mittleren Einkommen eine Perspektive hätten und Menschen nicht aufgrund ihrer persönlichen Lebenssituation aus dem regulären Wohnungsmarkt herausfallen.

Besonders für Menschen in schwierigen Lebenslagen müsse zudem die Subjektförderung stärker in den Blick genommen werden. Wer konkret Unterstützung benötigt, sollte diese möglichst zielgenau erhalten – etwa über Wohngeld oder andere individuelle Hilfen. Das sei wirksamer, als allein über die Schaffung bestimmter Wohnungsbestände zu versuchen, soziale Probleme am Wohnungsmarkt zu lösen.

„Kiel braucht keine Wohnungsmarkt-Rhetorik, sondern eine Wohnungsmarktstrategie“, betont Bergemann. „Dazu gehören realistische Bedarfsanalysen, mehr Bauland, verlässliche Förderung, schnellere Genehmigungen und Investitionsbedingungen, unter denen gebaut werden kann. Wer dagegen vor allem über Mietpreisbegrenzungen und immer neue Zielzahlen spricht, bekämpft Symptome, aber schafft keine einzige zusätzliche Wohnung.“