Haus & Grund Bremen: Mietspiegel darf Investitionen nicht ausbremsen
Der Bremer Mietspiegel kann nach Auffassung von Haus & Grund Bremen zwar zur Transparenz auf dem Wohnungsmarkt beitragen, darf jedoch nicht zum Instrument weiterer Einschränkungen für private Vermieter werden. Darauf weist der Eigentümerverband im Zusammenhang mit dem Erfahrungsaustausch zum Bremer Mietspiegel hin.
„Wenn wir über bezahlbares Wohnen sprechen, müssen wir ehrlich differenzieren: Bremen hat kein extremes Mietpreisniveau – Bremen hat vor allem hohe Wohnnebenkosten und ein strukturelles Einkommensproblem“, erklärt Ingmar Vergau, Geschäftsführer des Haus & Grund Bremen e.V. „Der Mietspiegel kann Orientierung geben. Aber er darf nicht dazu führen, dass wirtschaftliche Realitäten ausgeblendet werden. Ohne auskömmliche Mieten gibt es keine Investitionen – und ohne Investitionen keinen zukunftsfähigen Wohnungsbestand.“
Nach Einschätzung von Haus & Grund Bremen hat der Mietspiegel zwar zu mehr formaler Transparenz beigetragen, die wohnungspolitische Diskussion jedoch nicht spürbar beruhigt. Viele private Vermieterinnen und Vermieter sehen sich zunehmend mit zusätzlichen Regulierungserwartungen konfrontiert.
„Bremen gehört bei den Nettokaltmieten weiterhin zu den günstigsten Großstädten Deutschlands“, so Vergau. „Die eigentliche Belastung für viele Haushalte entsteht durch steigende Wohnnebenkosten wie Grundsteuer, Müllgebühren oder Wasser- und Abwassergebühren. Wenn diese Faktoren ausgeblendet werden und sich die politische Debatte ausschließlich auf Mietbegrenzungen konzentriert, entsteht ein verzerrtes Bild.“
Grundsätzlich bewertet Haus & Grund Bremen einen qualifizierten Mietspiegel als sinnvolles Instrument zur Orientierung und zur Begründung von Mieterhöhungen. In der praktischen Anwendung zeigten sich jedoch auch Akzeptanzprobleme.
„Einzelne wohnwertbeeinflussende Merkmale sind für viele Eigentümer schwer nachvollziehbar“, erklärt Vergau. „Wenn etwa ein wandhängendes WC zu einem Zuschlag führt, ein zusätzliches Gäste-WC aber keine gesonderte Berücksichtigung findet, sorgt das verständlicherweise für Irritationen.“
Auch im Beratungsalltag des Eigentümerverbandes hat der Mietspiegel zu Veränderungen geführt. Der Beratungsbedarf sei deutlich gestiegen, da viele Mitglieder Unterstützung bei der Einordnung ihrer Wohnungen in die Mietspannen sowie bei der Bewertung einzelner Ausstattungsmerkmale benötigten. Zudem werde der bürokratische Aufwand von vielen Eigentümern als hoch wahrgenommen.
Mit Blick auf mögliche Auswirkungen auf Rechtsstreitigkeiten zeigt sich ein differenziertes Bild. Der Mietspiegel könne zwar eine strukturierte Grundlage für Mieterhöhungen bieten, zugleich entstünden aber neue Konfliktfelder – etwa bei der Einordnung innerhalb der Mietspannen oder bei der Bewertung einzelner Merkmale.
„Entscheidend ist aus unserer Sicht, dass der Mietspiegel ein neutrales Orientierungsinstrument bleibt“, betont Vergau. „Unser gemeinsames Ziel sollte ein stabiler, investitionsfähiger Wohnungsmarkt sein. Dafür braucht es Fairness in beide Richtungen: Schutz für Mieter – aber auch wirtschaftliche Tragfähigkeit für private Eigentümer.“
Haus & Grund Bremen warnt daher davor, den Mietspiegel künftig mit weiteren Einschränkungen der Mieterhöhungsmöglichkeiten zu verbinden. „Planungssicherheit und wirtschaftliche Tragfähigkeit sind Voraussetzungen für Investitionen in den Bestand. Wenn diese Grundlagen fehlen, leidet am Ende die Qualität des Wohnungsbestandes – und damit auch der Wohnungsmarkt insgesamt“, so Vergau.