Zweite Mieten im Fokus
Die Wohnkosten steigen weiter – die Politik schaut weg
Die Kosten des Wohnens steigen nicht nur wegen der Kaltmieten. Immer stärker geraten auch die sogenannten „zweiten Mieten“ in den Fokus: Müllgebühren, Wasser- und Abwasserpreise, Grundsteuer, Straßenreinigung oder Energiekosten belasten Eigentümer und Mieter gleichermaßen. Gerade in Bremen und Bremerhaven zeigt sich, wie sehr diese Entwicklung inzwischen zu einem sozialen und wirtschaftlichen Problem geworden ist.
Aktuelle Zahlen des Statistischen Landesamtes Bremen verdeutlichen dies indirekt. Danach wurden im Jahr 2024 im Land Bremen insgesamt 224,6 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Einwohner eingesammelt. Damit liegt Bremen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 186,7 Kilogramm. Besonders auffällig ist die Situation in Bremerhaven: Mit rund 351 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Kopf weist die Seestadt bundesweit den höchsten Wert aller kreisfreien Städte auf.
Die Unterschiede zwischen Bremen und Bremerhaven erklären sich zwar teilweise durch unterschiedliche Entsorgungssysteme – in Bremerhaven werden organische Abfälle beispielsweise über die „graue Tonne“ entsorgt – dennoch bleibt die grundsätzliche Entwicklung problematisch. Denn höhere Müll- mengen bedeuten langfristig regelmäßig auch steigende Entsorgungs- und Infrastrukturkosten.
Hinzu kommen weitere Belastungen: steigende Wasser- und Abwassergebühren, höhere Kosten für Straßenreinigung, zunehmende CO2-Bepreisung sowie die Auswirkungen der Grundsteuerreform. Viele dieser Kostenbestandteile sind staatlich oder kommunal beeinflusst – und damit politisch steuerbar.
Gerade deshalb stößt die aktuelle Entwicklung bei Haus & Grund Bremen auf erhebliche Kritik. Während die Politik immer neue Eingriffe in das Mietrecht diskutiere, bleibe die Belastung durch Nebenkosten weitgehend unangetastet.
Thomas Trenz, Vorsitzender des Haus & Grund Landesverband Bremen e.V., bringt dies deutlich auf den Punkt: „Die Politik diskutiert seit Jahren fast ausschließlich über die Begrenzung von Mieten. Für viele Menschen sind inzwischen aber die Nebenkosten das eigentliche Problem. Wer die Wohnkosten wirklich senken will, muss endlich auch bei Gebühren, Abgaben und staatlich beeinflussten Kosten ansetzen.“
Tatsächlich zeigen auch aktuelle Untersuchungen von Haus & Grund Deutschland gemeinsam mit IW Consult, dass Bremen und Bremerhaven bei den kommunal beeinflussbaren Wohnnebenkosten im bundesweiten Vergleich lediglich im unteren Drittel liegen. Besonders die Belastungen durch Grundsteuer, Abwasser- und eben auch die Müllgebühren sorgen vielerorts für erheblichen Kostendruck.
Gleichzeitig geraten private Vermieter zunehmend zwischen die Fronten. Einerseits steigen die laufenden Kosten für Instandhaltung, Energieeffizienz, Verwaltung und Finanzierung. Andererseits werden Vermietern durch Mietpreisbremsen, verlängerte Kappungsgrenzen oder zusätzliche regulatorische Vorgaben immer engere wirtschaftliche Grenzen gesetzt.
„Private Eigentümer sind keine anonymen Großkonzerne“, betont Trenz. „Gerade in Bremen und Bremerhaven wird ein erheblicher Teil des Wohnungsmarktes von Menschen getragen, die ein oder zwei Wohnungen besitzen – häufig als Altersvorsorge. Wenn diesen Eigentümern wirtschaftlich immer mehr Luft genommen wird, gefährdet das langfristig auch Investitionen in den Wohnungsbestand.“
Besonders problematisch sei dabei die politische Schieflage der Debatte. Während über Mietbegrenzungen öffentlich intensiv diskutiert werde, fehle häufig der politische Wille, die eigene Gebühren- und Abgabenpolitik kritisch zu hinterfragen. Dabei könnten gerade dort kurzfristig Entlastungen geschaffen werden.
Auch das steigende Müllaufkommen selbst wirft Fragen auf. Die amtliche Statistik nennt verschiedene Ursachen: Ballungsräume erzeugen grundsätzlich mehr Abfälle, lokale Wetterereignisse wie Starkregen oder Hochwasser können die Mengen zusätzlich erhöhen. Ebenso spielen Sensibilisierung für Müllvermeidung und die konkrete Ausgestaltung kommunaler Entsorgungssysteme eine Rolle.
Für den Haus & Grund Landesverband Bremen e.V. steht deshalb fest: Wohnkostenpolitik darf sich nicht auf Diskussionen über Kaltmieten verengen. Wer bezahlbares Wohnen ernst nehme, müsse die gesamten Wohnkosten in den Blick nehmen – insbesondere die staatlich und kommunal beeinflussten Nebenkosten.
Denn am Ende zahlen immer dieselben: die Menschen, die in den Wohnungen leben.