Direkt zum Inhalt
|
Politik & Wirtschaft
Recht & Steuern

Gutachten zur Restnutzungsdauer

Bild
Gewerblich genutzter Gebäudekomplex

Welche Anforderungen sind zu beachten?

 

Mit einem Gutachten zur Restnutzungsdauer wird festgestellt, wie viele Jahre ein Gebäude noch wirtschaftlich betrieben werden kann. Es ist zu unterscheiden vom Restwert-Gutachten, in dem Aussagen über den Wert zum Beispiel nach einer Beschädigung getroffen werden. Eine Verkürzung der Restnutzungsdauer auf der Basis eines entsprechenden Gutachtens kann erhöhte Abschreibung und damit deutliche steuerliche Erleichterung bringen.

 

Das Gutachten über die Restnutzungsdauer muss nicht zwingend von einem öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen und auch nicht zwingend im Rahmen einer Vor-Ort-Besichtigung erstellt werden. Entsprechende Vorstöße aus dem Bundesfinanzministerium (BMF), diese strengen Vorgaben in einer Verordnung festzulegen, konnten durch Haus & Grund erfolgreich abgewehrt werden. In der Folge hat das Ministerium auch ein Anwendungsschreiben mit strengen Vorgaben zu solchen Gutachten aufgehoben.

 

Anforderungen für die Praxis
Damit stellt sich in der Praxis die Frage: Welche Anforderungen gelten nun, nachdem die zunächst geplanten Verschärfungen im Hinblick auf zulässige Gutachter und Vor-Ort-Besichtigung entfallen und auch das BMF-Schreiben vom 22. Februar 2023 zum 1. Dezember 2025 aufgehoben wurde? Muss die Finanzverwaltung nun automatisch jedes Gutachten akzeptieren, egal von wem und in welcher Qualität es vorgelegt wird? So einfach ist es leider nicht. Aus Rechtsprechung und Gesetzeswortlaut des § 7 Absatz 4 Satz 2 Einkommensteuergesetz (EstG) können folgende Anforderungen abgeleitet werden:

Ein Sachverständigengutachten muss plausibel darlegen, dass das Gebäude wegen baulicher Mängel, intensiver Nutzung oder aus anderen Gründen, wie zum Beispiel rechtlichen Nutzungseinschränkungen, eine kürzere Restnutzungsdauer aufweist.

Als besondere Umstände können die Absicht, das Gebäude in Kürze abreißen zu wollen, oder eine besonders hohe Abnutzung – beispielsweise durch gewerbliche Nutzung oder bautechnische Mängel oder Schäden am Gebäude – herangezogen werden.

Der Nachweis einer kürzeren Nutzungsdauer ist nicht auf bestimmte Gutachtenformen beschränkt. Zulässig sind alle Methoden, die geeignet sind, den technischen oder wirtschaftlichen Verschleiß eines Gebäudes plausibel darzustellen. So hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem Urteil vom 28. Juli 2021 (IX R 25/19) eine Verengung auf Bausubstanzgutachten verworfen.

Erforderlich ist ein Antrag auf Verkürzung der Nutzungsdauer beim zuständigen Finanzamt, der auch genehmigt werden muss. Ohne Genehmigung bleibt es bei der regulären Dauer der Absetzung für Abnutzung (AfA).

 

 

Fazit

Mit einer kürzeren tatsächlichen Nutzungsdauer können höhere jährliche Abschreibungen jetzt wieder deutlich einfacher geltend gemacht werden. Das Finanzamt darf für den Nachweis keine überzogenen Anforderungen mehr stellen oder starre Muster und Methoden vorgeben. Ein Selbstläufer ist der Nachweis aber dennoch nicht, denn inhaltliche Zweifel kann das Finanzamt nach wie vor geltend machen, und auch die Rechtsprechung hat für Restnutzungsgutachten Mindestanforderungen aufgestellt. Plausibilität und ausreichende Gutachter-Qualifikation sind daher nach wie vor wichtig, damit der Nachweis gelingt. Vor einer Gutachtenbeauftragung sollte daher überschlägig ermittelt werden, ob die steuerlichen Vorteile die Gutachtenkosten rechtfertigen.

Verwandte Blogartikel

Leerstand bei einer Gewerbeimmobilie im Erdgeschoss
Politik & Wirtschaft

Das neue Förderprogramm „Gewerbe zu Wohnen“ unterstützt die Umwandlung von leerstehenden Gewerbeimmobilien oder Nichtwohngebäuden zu Wohnraum mit...

E-Auto Ladestationen in Tiefgarage: 3 Wallbox - Installationen vor leeren Parkplätzen
Recht & Steuern
Politik & Wirtschaft

In Deutschland leben viele Menschen in Mehrfamilienhäusern. Und immer mehr von ihnen würden gerne ihr E-Fahrzeug zu Hause laden. Darauf hat jetzt auch...

Photovoltaikanlagen generieren Solarstrom auf Mehrfamilienhaus
Politik & Wirtschaft

Wer Solarstrom auf dem eigenen Dach oder an Außenwänden erzeugt, kann ihn selbst verbrauchen, ins Netz einspeisen oder gemeinsam mit anderen nutzen.

E-Auto lädt in Tiefgarage an Ladesäule
Politik & Wirtschaft
Bauen & Wohnen

Der Blick auf den Benzinpreis an der Zapfsäule lässt aktuell viele schaudern. Dabei gibt es eine preiswerte Alternative: das Elektrofahrzeug.

Moderne Wohngebäude
Politik & Wirtschaft

Das Segment „Wohnen auf Zeit“ steht zunehmend im Zentrum wohnungspolitischer Debatten.

Heizkraftwerk in Frankfurt am Main, Westhafen
Politik & Wirtschaft

Wie steht es eigentlich um die Wärmeplanung der Kommunen? Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts hat...

Neubau mit Kran im Hintergrund
Bauen & Wohnen
Politik & Wirtschaft

Trendwende mit Vorbehalt: Nach drei rückläufigen Jahren in Folge ist die Zahl der genehmigten Wohnungen im Jahr 2025 erstmals wieder gestiegen.

Deckendämmung mit Mineralwolle
Politik & Wirtschaft
Bauen & Wohnen

Die Dämmung der obersten Geschossdecke und der Kellerdecke gehört zu den wirtschaftlichsten und effektivsten Maßnahmen einer energetischen Sanierung.

Modernes Mehrfamilienhaus
Recht & Steuern
Politik & Wirtschaft

Die optimale Gestaltung der Abschreibung ist für vermietende Privatpersonen wirtschaftlich von besonderer Bedeutung.

Wärmepumpe
Politik & Wirtschaft
Bauen & Wohnen

Früher oder später steht in jedem Haus der Einbau einer neuen Heizung an. Mit Blick auf die Klimaziele und die Unabhängigkeit von fossilen...

Bunte Häuser in Form einer Energieeffizienzskala
Politik & Wirtschaft
Bauen & Wohnen

Um den Neubau anzukurbeln, legt die Bundesregierung mit der Effizienzhaus-55-Förderung im Programm „Klimafreundlicher Neubau“ eine Förderung neu auf...

Grafik: Mann schiebt Einkaufswagen einen Pfeil hinauf
Politik & Wirtschaft

Der Verbraucherpreisindex (VPI) misst die Inflation. Doch auch für die Anpassung von Indexmiete spielt er eine grundlegende Rolle.

Bundestag in Berlin
Recht & Steuern
Politik & Wirtschaft

Die Pläne des Bundesfinanzministeriums, Abschreibungsoptimierungen für private Vermieter mit überzogenen Anforderungen an die Gutachternachweise...

Rauch aus Schornstein bildet die Buchstaben CO² vor blauem Himmel
Politik & Wirtschaft

Ab 2028 wird der Ausstoß von Kohlendioxid (CO₂) im Gebäude- und Verkehrssektor europaweit über ein neues Handelssystem bepreist.

Luftaufnahme von Marburg
Politik & Wirtschaft

In Städten mit besonders hohem Studierendenanteil ist die durchschnittliche Nettokaltmiete mit 9,05 Euro pro Quadratmeter im Monat höher als im...

 

Jetzt Haus & Grund-Mitglied werden

Sie suchen Rat zu Fragen rund um Ihre Immobilie? Wir sind für Sie da – ganz in Ihrer Nähe. Wir setzen uns engagiert, kompetent und individuell für das private Eigentum unserer Mitglieder ein.