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Wärmewende im Gebäudebestand: Eigentümer in Bremen und Bremerhaven brauchen praktikable Lösungen

Wärmepumpen dominieren den Neubau – im Bestand bleiben Wirtschaftlichkeit und Bürokratie die größten Hürden

Die Wärmepumpe hat sich in Deutschland innerhalb weniger Jahre zur führenden Heiztechnik im Wohnungsneubau entwickelt. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 bundesweit rund drei Viertel aller neu errichteten Wohngebäude überwiegend mit Wärmepumpen ausgestattet. Bei den neu genehmigten Wohngebäuden liegt der Anteil sogar noch höher.

Für Bremen und Bremerhaven ist diese Entwicklung grundsätzlich erfreulich. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Grenzen der aktuellen politischen Debatte auf. Denn während Neubauten heute von Anfang an auf moderne Heizsysteme ausgelegt werden können, sieht die Realität im Gebäudebestand völlig anders aus.

Gerade die Hansestädte verfügen über einen hohen Anteil älterer Wohngebäude. Viele Bremer Altbremer Häuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser stammen aus der Zeit vor den heutigen energetischen Standards. Auch in Bremerhaven prägen zahlreiche Bestandsgebäude das Stadtbild. Die Anforderungen an eine Umstellung der Wärmeversorgung unterscheiden sich dort erheblich von denen eines Neubaus.

„Die Wärmewende entscheidet sich nicht auf dem Reißbrett neuer Baugebiete, sondern in den bestehenden Wohnquartieren von Bremen und Bremerhaven. Dort stehen die Eigentümer vor der Aufgabe, oftmals jahrzehntealte Gebäude technisch und wirtschaftlich zukunftsfähig zu machen“, erklärt Ingmar Vergau, Geschäftsführer des Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.

Während Wärmepumpen im Neubau inzwischen Standard sind, werden die meisten Wohngebäude im Bestand weiterhin mit Erdgas oder Heizöl beheizt. Das gilt auch für einen großen Teil der privaten Mietwohnungen in Bremen und Bremerhaven. Die Ursachen dafür liegen nach Auffassung von Haus & Grund nicht in mangelnder Bereitschaft der Eigentümer, sondern vor allem in den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Eine aktuelle Vermieterbefragung von Haus & Grund zeigt, dass die fehlende Rentabilität von Investitionen das größte Hindernis für energetische Modernisierungen darstellt. Hinzu kommen umfangreiche rechtliche Vorgaben und ein hoher bürokratischer Aufwand.

Für viele Eigentümer stellt sich die Frage, wie Investitionen von mehreren zehntausend Euro finanziert werden sollen. Dies gilt insbesondere für ältere Vermieterinnen und Vermieter, die einen Großteil des privaten Mietwohnungsbestandes halten. In Bremen werden rund 80 Prozent der Mietwohnungen von privaten Eigentümern bereitgestellt. Sie sind damit der wichtigste Partner für das Gelingen der Wärmewende.

„Die Politik muss anerkennen, dass private Eigentümer keine Großkonzerne sind. Viele investieren seit Jahren in ihre Gebäude und wollen diese auch künftig modernisieren. Dafür benötigen sie jedoch verlässliche Förderbedingungen, Planungssicherheit und weniger Bürokratie“, so Vergau.

Aus Sicht von Haus & Grund Bremen kommt hinzu, dass die wirtschaftlichen Belastungen für Immobilieneigentümer in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Neben den Investitionen in die energetische Modernisierung erhöhen sich Grundsteuer, Gebühren und zahlreiche weitere Bewirtschaftungskosten. Gleichzeitig wird die Finanzierung von Sanierungsmaßnahmen durch hohe Bau- und Handwerkerkosten erschwert.

Für Bremen und Bremerhaven müsse deshalb ein realistischer Weg gefunden werden, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden. Technologieoffene Lösungen, eine stärkere Förderung von Bestandsmodernisierungen und vereinfachte gesetzliche Rahmenbedingungen seien wichtiger als immer neue Vorgaben.

„Wer den Gebäudebestand klimafreundlicher machen möchte, muss Investitionen ermöglichen statt erschweren. Die Eigentümer in Bremen und Bremerhaven sind bereit, ihren Beitrag zu leisten. Die Politik muss nun die Voraussetzungen schaffen, damit aus diesem Willen auch tatsächlich Investitionen werden können“, betont Vergau.

Die Entwicklung im Neubau zeigt, dass die Transformation des Wärmemarktes grundsätzlich möglich ist. Ob die Wärmewende jedoch tatsächlich gelingt, wird sich in den kommenden Jahren vor allem in den bestehenden Wohngebäuden Bremens und Bremerhavens entscheiden.