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Fernwärme-Leitungen
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Wärmenetze

Heizen ohne eigene Heizungsanlage

Wärmenetze werden neben Wärmepumpen eine große Rolle im Heizungsmix der Zukunft spielen. Künftig sollen sie ausgebaut und immer grüner werden. Eigentümer sollten prüfen, ob der Anschluss an ein Wärmenetz in ihrer Straße in den nächsten Jahren möglich ist.

Unter Nah- oder Fernwärme versteht man die Versorgung von Gebäuden mit Raumwärme und häufig auch Warmwasser, das durch überwiegend erdverlegte Rohre direkt in die angeschlossenen Wohngebäude geleitet wird. Wärmenetze versorgen mehrere Gebäude bis hin zu ganzen Stadtteilen effizient mit Energie für Heizung und Warmwasser. Wer an ein Wärmenetz angeschlossen wird, benötigt keine eigene Heizungsanlage und keinen Raum zur Brennstofflagerung mehr.

 

Woher kommt die Wärme?

Als Erzeugungsanlagen sind häufig Heizkraftwerke im Einsatz, die nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktionieren. Als Trägermedium der Wärme dient Wasser, das meist mit einer Temperatur zwischen 80 und 130 Grad Celsius an die Abnehmer geliefert wird. Über gedämmte Rohre erfolgt der Transport zum Wärmetauscher, der sogenannten Hausübergabestation, zum einzelnen Haushalt. Die Technik ist äußerst wartungsarm und im Haus platzsparend.

 

Die dafür benötigte Primärenergie stammt aktuell noch zu rund drei Viertel aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdgas, Öl und sogar Müll. Zu rund einem Viertel kommen erneuerbare Energien wie Bioerdgas oder Geothermie hinzu. Das soll sich allerdings künftig ändern: Die Bundesregierung hat sich neben dem Ausbau der Wärmenetze zum Ziel gesetzt, diese grüner zu machen. Das Wärmeplanungsgesetz sieht vor, dass bestehende Wärmenetze bis 2040 einen Anteil von 80 Prozent erneuerbarer Energie erreichen müssen.

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Grafik zum Wärmeplanungsgesetz
Quelle: BMWSB

Für wen lohnt sich der Anschluss?

Vor allem in dicht besiedelten Gebieten mit Mehrfamilienhäusern werden Wärmenetze künftig verstärkt zum Einsatz kommen. Hier können viele große Gebäude angeschlossen werden, was das System wirtschaftlicher macht. Daher ist der Anschluss an ein Wärmenetz vor allem in Städten und Ballungszentren oft die beste Lösung, wenn Öl- und Gasheizungen ausgetauscht werden. Dies gilt umso mehr für Eigentümer von Altbauten, in denen der Einsatz von Wärmepumpen nicht ohne weitere energetische Sanierungen sinnvoll ist. Für die Wärmenetze spricht auch, dass dicht bebaute Quartiere oft nicht genug Platz für Wärmepumpen zwischen den Häusern bieten.

 

Aber auch im ländlichen Raum kann sich die leitungsgebundene Wärmeversorgung lohnen. Hier handelt es sich oft um Nahwärmenetze, bei denen Bioenergie zum Einsatz kommt. Für einen effizienten Wärmenetzbetrieb sind ländliche Regionen aber nicht immer optimal: In dünn besiedelten Gebieten sind lange Leitungen für wenige Kunden erforderlich. Die hohen Kosten für die Leitungsinfrastruktur würden sich auf die wenigen Kunden aufteilen und damit den Anschluss an das Wärmenetz unattraktiv machen.

 

Wie viel kostet Wärme aus Wärmenetzen?

Die Fernwärmepreise fallen je nach Versorger sehr unterschiedlich aus. Betreibt ein Anbieter mehrere Fernwärmenetze, so hat häufig sogar jedes Netzgebiet einen anderen Preis. Das kann sogar innerhalb derselben Stadt zu unterschiedlichen Gebühren führen. Kritiker haben in der Vergangenheit den fehlenden Wettbewerb bemängelt: Jedes Fernwärmenetz ist ein lokales Monopol, der Wechsel zu einem anderen Versorger ist nicht möglich. Interessenten sollten sich daher vorab über die Kosten informieren, die sich meist aus einem Grundpreis und einem Arbeitspreis zusammensetzen. Über den Arbeitspreis wird der tatsächliche Wärmeverbrauch abgerechnet. Der Grundpreis ist ein Fixpreis pro Jahr und beinhaltet die anteiligen Kosten an Kraftwerk und Netzen. Allerdings ist der Wechsel zu einem Wärmenetz in der Regel deutlich kostengünstiger als die Anschaffung einer Wärmepumpe. Auch fallen die Preisschwankungen meist weniger stark aus, als es bei Öl oder Gas der Fall ist.

 

 

Definition Nah- oder Fernwärme

 

Die Unterscheidung von Nah- und Fernwärmenetz ist technisch unbedeutend – beide funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Unter den Begriff Nahwärme fallen kleinere dezentrale Wärmenetze, die meist nur bis zu 1 Kilometer lang sind. Fernwärme bezeichnet hingegen kilometerlange Netze, die meist große Transportleitungen beinhalten.

 

Wärmeplanungsgesetz

Mit dem Wärmeplanungsgesetz, das der Bundestag noch beschließen muss, will der Bund die Länder verpflichten, eine verbindliche flächendeckende Wärmeplanung zu erarbeiten. Für die Bürger soll das vor allem wichtige Orientierung bieten: Wenn jemand in einem Gebiet lebt, das in naher Zukunft an ein Wärmenetz angeschlossen wird, muss er keine teure Wärmepumpe installieren. Menschen in Regionen, die nicht an ein Wärmenetz angeschlossen werden, können sich darauf einstellen und müssen Alternativen erwägen. Das Wärmeplanungsgesetz soll gemeinsam mit dem novellierten Gebäudeenergiegesetz (GEG) am 1. Januar 2024 in Kraft treten.

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Grafik 2 zum Wärmeplanungsgesetz
Quelle: BMWSB

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