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Kommunale Wärmeplanung

Bundesweit deutliche Unterschiede

Wie steht es eigentlich um die Wärmeplanung der Kommunen? Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts hat dazu Daten aus ganz Deutschland ausgewertet.

Die kommunale Wärmeplanung gilt als strategisches Instrument der Energiewende. Mit dem Wärmeplanungsgesetz sind die fast 11.000 Kommunen in Deutschland verpflichtet, kommunale Wärmepläne zu erstellen: Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern, so auch Bremen und Bremerhaven, sind bis Mitte 2026, alle übrigen bis Mitte 2028 fällig. Während einige diesen Prozess bereits abgeschlossen haben, befinden sich sehr viele Kommunen derzeit in der Erarbeitungsphase.

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts wertet nun erstmals 113 kommunale Wärmepläne für 223 Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet aus. Die Ergebnisse zeigen: Lokale Rahmenbedingungen, vorhandene Infrastrukturen und verfügbare Potenziale der unterschiedlichen Energieträger prägen die Transformationspfade erheblich.

Großstädte setzen stärker auf Wärmenetze
Den Planungen zufolge sollen über alle Kommunengrößen hinweg Wärmenetze ausgebaut werden. Insgesamt soll ihr Anteil von heute durchschnittlich 16 auf 40 Prozent steigen. Dabei setzen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern deutlich stärker auf diese Lösung: Hier liegen die geplanten Anteile der leitungsgebundenen Wärmeversorgung für 2045 zwischen 47 und 82 Prozent.

Wärmepumpen Standard in kleineren Kommunen
Kleinere Kommunen im ländlichen Raum verfolgen hingegen häufig dezentrale Strategien und setzen auf die Wärmepumpe als Standardlösung. In der Gesamtauswertung sollen 38 Prozent der Wärmenachfrage über Wärmepumpen gedeckt werden, wobei der Anteil je nach Gemeindegröße zwischen 35 Prozent und 45 Prozent liegt.

Biomassepotenziale teilweise überschätzt
Auch die Nutzung von biogenen Energieträgern soll künftig deutlich ansteigen. Hier weist die Studie auf zwei kritische Punkte hin: Zum einen verwenden Kommunen unterschiedliche Definitionen dafür, was sie als Biomasse einordnen. So ist etwa unklar, ob Müll im Potenzial enthalten ist, welche Nachhaltigkeitskriterien für die Nutzung von Holz herangezogen werden und wie landwirtschaftliche Flächen und Abfälle in die Berechnung der Potenziale eingehen. Zum anderen übersteigt in einer Vielzahl von Plänen der Verbrauch biogener Energieträger das lokale Potenzial.

Unscharfe Annahmen zur Reduktion des Wärmebedarfs
Außerdem zeigt die Studie, dass viele Wärmepläne von einer erheblichen Reduktion des künftigen Wärmebedarfs ausgehen. Allerdings bleibt laut den Autoren offen, wie diese erzielt werden soll – ob durch energetische Sanierungen von Gebäuden oder anderweitige Effizienzsteigerungen. Das Forscherteam schlägt daher vor, klare und einheitliche Richtwerte für mögliche Energieeinsparungen festzulegen und die Sanierungsrate für die kommunale Wärmeplanung einheitlich zu bestimmen. Aktuell fehlen in vielen Wärmeplänen Informationen darüber, was genau eine Sanierung umfasst und welche energetischen Niveaus dafür zugrunde gelegt werden. Zudem betonen die Autoren der Studie die zentrale Bedeutung langfristiger und verlässlicher Förderinstrumente wie etwa der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

ANNA KATHARINA FRICKE
Chefredakteurin
Haus & Grund Deutschland

Kommentar von Ingmar Vergau, Geschäftsführer
Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.:

„Die Stadtgemeinde Bremen befindet sich aktuell mitten im Prozess der kommunalen Wärmeplanung. Erste Entwürfe liegen vor, die Öffentlichkeitsbeteiligung wurde eingeleitet. Ziel ist eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2038. Aus Sicht des Haus & Grund Landesverband Bremen e.V. zeigt sich dabei exemplarisch, was auch die bundesweite Studie bestätigt: Die Wärmeplanung ist ein wichtiges strategisches Instrument – sie ersetzt jedoch keine verlässlichen Entscheidungsgrundlagen für Eigentümer.Die kommunale Wärmeplanung schafft derzeit vor allem eines: neue Unsicherheiten. Eigentümer sollen heute Investitionen treffen, obwohl vielfach unklar ist, welche Infrastruktur tatsächlich entsteht und welche Anforderungen künftig gelten werden.

Die nach wie vor unklaren Gebietsausweisungen sind kritisch zu bewerten, da vielfach offen bleibt, ob und in welchem Umfang beispielsweise Fernwärme tatsächlich ausgebaut wird. Gleichzeitig stellen die hohen Investitionsanforderungen für viele Eigentümer eine erhebliche Belastung dar, zumal die damit verbundenen Kosten häufig nur schwer kalkulierbar sind. Hinzu kommt eine aus unserer Sicht einseitige technologische Schwerpunktsetzung: Zentrale Wärmenetze dominieren die Planungen, während dezentrale Lösungen teilweise in den Hintergrund treten. Die angestrebten Einsparziele beim Wärmebedarf sind bislang nicht ausreichend konkretisiert – so bleibt auch in Bremen offen, wie die prognostizierten Reduktionen realistisch erreicht werden sollen. Vor diesem Hintergrund fordert Haus & Grund Bremen mehr Klarheit, Planungssicherheit und technologieoffene Ansätze.

Die Wärmewende wird nur gelingen, wenn sie wirtschaftlich tragfähig ist und die Menschen mitgenommen werden. Dafür braucht es klare, verlässliche Rahmenbedingungen – nicht nur strategische Zielbilder.
Die kommunale Wärmeplanung ist ein notwendiger Baustein der Energiewende. Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass zwischen strategischem Anspruch und praktischer Umsetzbarkeit vielfach noch eine Lücke besteht.
Bremen steht dabei exemplarisch für viele deutsche Großstädte: Der Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung ist definiert – doch wie er konkret und wirtschaftlich tragfähig beschritten werden kann, ist in wesentlichen Punkten noch offen.“