Bonn startet neues Förderprogramm für bezahlbaren Wohnraum
Zielgruppe sind Kleinvermieter
Die Bundesstadt Bonn bietet ab sofort ein eigenes kommunales Förderprogramm zur Mobilisierung und Errichtung bezahlbaren Wohnraums an. Das teilte Sozialdezernentin Azra Zürn mit.
Das Programm richtet sich insbesondere an kleinere Eigentümer, die über leerstehenden oder ungenutzten Wohnraum verfügen, diesen aber aus finanziellen Gründen nicht aktivieren können. Sie können einen Zuschuss von bis zu 20.000 Euro erhalten, wenn sie ihre Räume so umbauen oder sanieren, dass diese erstmals oder erneut auf dem allgemeinen Mietmarkt vermietet werden können. Im Gegenzug erhält die Stadt für mindestens zehn Jahre das Recht, die Wohnungen an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein (WBS) zu vermitteln.
Hintergrund ist die angespannte Lage auf dem Bonner Wohnungsmarkt. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist hoch, und in den kommenden drei Jahren fallen mehr als 2.500 geförderte Wohnungen aus der Mietpreis- und Belegungsbindung. Mit dem neuen Programm möchte die Stadt dieser Entwicklung entgegenwirken und gezielt Anreize schaffen, um vorhandene Potenziale zu nutzen. Besonders im Bereich kleinerer Immobilien und einzelner Wohneinheiten sieht die Stadt großes Potenzial, das die bestehenden Förderprogramme des Landes sinnvoll ergänzt.
Gefördert werden sowohl die Sanierung bestehender Wohnungen als auch der Ausbau bislang ungenutzter Flächen, etwa von Dachgeschossen. Die Förderung ist eine freiwillige Leistung der Stadt Bonn und soll Eigentümer*innen unterstützen, die ohne finanzielle Hilfe keine Möglichkeit hätten, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen.
Private Vermieter bleiben wichtig
Auch wenn Wohnungsunternehmen wie die Vereinigte Bonner Wohnungsbau AG weiterhin maßgeblich zum Bau öffentlich geförderter Wohnungen beitragen, ist es wichtig, dass auch private Kleinvermietende finanzielle Unterstützung erhalten, um günstigen Wohnraum anbieten zu können.
Die Förderrichtlinie und das Antragsformular sowie Ansprechpersonen für entsprechende Beratung im Amt für Soziales und Wohnen sind auf der Internetseite der Bundesstadt Bonn unter bonn.de veröffentlicht.
Hauptgeschäftsführer Markus Gelderblom zum Förderprogramm
In einer Stellungnahme gegenüber dem Bonner General-Anzeiger führte Haus & Grund-Hauptgeschäftsführer Gelderblom aus:
Das Förderprogramm der Bundesstadt Bonn zur Mobilisierung und Errichtung bezahlbaren Wohnraums begrüßen wir grundsätzlich. Erfreulich ist in jedem Fall, dass das Programm sich an die "Kleinvermieter" richtet und damit die Bedeutung der privaten Vermieterinnen und Vermieter erkannt wird, die 2/3 des gesamten Mietwohnungsbestandes anbieten. Im Hinblick darauf, dass rund 45 % der Kleinvermieter Einnahmen unterhalb einer jährlichen Nettoeinnahme von 5.000 Euro erzielen und bei gut einem Viertel der Vermieter die Mieteinnahmen gerade einmal kostendeckend sind - etwa 9 % machen sogar Verlust -, ist eine finanzielle Förderung ein möglicher Ansatz, um einen Anreiz zur Mobilisierung von Wohnraum zu setzen.
Ich befürchte jedoch, dass es in der Sache für die meisten privaten Vermieterinnen und Vermieter wirtschaftlich zu wenig attraktiv sein dürfte und daher vermutlich auch wenig in Anspruch genommen werden wird. Dies zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Die 10-jährige Belegungsbindung mit einer eingefrorenen Miete von 7,50 €/m² würde z. B. bei einer 60 m² großen Wohnung und einer ortsüblichen Vergleichsmiete von 10,- €/m² zu einer um (2,50 €/m² x 120 Monate x 60 m² =) 18.000 € geringeren Mieteinnahme führen. Der vermeintliche finanzielle Vorteil ist folglich sehr gering und würde sich vermutlich unter Berücksichtigung der zu erwartenden Mietpreisentwicklung in diesem Zeitraum sogar ins Gegenteil verkehren. Der geringe finanzielle Vorteil kompensiert wegen der auf 7,50 €/m² begrenzten Miete also nicht die hohen Baukosten, die eine Mobilisierung von Wohnraum oftmals unrentabel werden lassen. Es handelt sich also nicht um einen "echten" Zuschuss für die Vermieterinnen und Vermieter, da der Betrag im Rahmen der Miete wieder abgeschöpft wird. Der Adressatenkreis dürfte sich also nur auf Vermieterinnen und Vermieter beschränken, die derzeit deutlich weniger als 7,50 €/m² Miete erzielen.
Und ein psychologischer Faktor könnte ebenfalls negativen Einfluss nehmen: Viele "Kleinvermieter" wohnen mit ihren Mietern noch "unter einem Dach". Gerade sie wollen aber ihre Mieter selbst aussuchen und nicht durch ein Belegungsrecht der Stadt einen Mieter "vorgesetzt" bekommen.
Zudem sind finanzielle Gründe oft nicht der Grund für Eigentümerinnen und Eigentümer, auf bauliche Maßnahmen zur "Mobilisierung" von Wohnraum zu verzichten. Die komplizierten Anforderungen des Mietrechts bei Modernisierungen bzw. baulichen Veränderungen tragen ebenfalls ihren Teil bei und die bürokratischen Hürden des Baurechts schrecken ebenfalls viele Eigentümerinnen und Eigentümer ab. All dies wird durch das Förderprogramm der Stadt leider nicht verbessert.
FF