Die Techem stellt sich vor
Frau Jung: Viele private Vermieter müssen bis Ende 2026 ihre Messausstattung modernisieren und – sobald fernauslesbare Geräte verbaut sind – Mieter monatlich über Verbräuche informieren. Gleichzeitig werden digitale Stromzähler im Kontext von Wärmepumpen, PV und neuen Versorgungsmodellen immer wichtiger. Sie verantworten bei Techem den Bereich Privatkunden/private Vermieter. Welche zwei bis drei Fragen hören Sie gerade am häufigsten?
Herr Werner: „Ganz vorne stehen zwei Themen: Erstens die Umrüstung auf fernablesbare Messtechnik bis Ende 2026 – viele fragen, ob ihr Bestand schon ‚fit‘ ist. Zweitens die monatliche Verbrauchsinformation, die bei fernablesbarer Ausstattung bereits seit 2022 verpflichtend ist.
Und drittens kommt zunehmend die Frage dazu, wie man beim Thema digitale Stromzähler, rund um Wärmepumpen, Photovoltaik und Elektromobilität rechtzeitig die Weichen stellt.
Frau Jung: Warum sollten Vermieter uVI (unterjährige Verbrauchsinformation)/Funktechnik und digitale Stromzähler gemeinsam betrachten – was ist der gemeinsame Nenner?
Herr Werner: Der gemeinsame Nenner ist Digitalisierung als Basis für Transparenz und Automatisierung. Bei Heizung/Warmwasser sorgt die Funk Fernablesung dafür, dass Daten zuverlässig verfügbar sind und die uVI überhaupt effizient bereitgestellt werden kann. Im Strombereich ist Smart Metering die Grundlage, um Verbräuche zeitlich zu verstehen – etwa für dynamische Tarife oder Lastmanagement – und um neue Modelle wie gemeinschaftliche Gebäudeversorgung überhaupt möglich zu machen.
Frau Jung: Bei fernablesbarer Ausstattung besteht die Pflicht zur monatlichen Verbrauchsinformation seit 01.01.2022. Bis zum 31.12.2026 müssen auch nicht fernablesbare Liegenschaften mit neuen Geräten ausgestattet sein. Wie erleben Sie die Praxis – wo hakt es aus Ihrer Sicht am häufigsten?
Herr Werner: Der größte Engpass ist meist nicht der Wille, sondern die Unwissenheit: Viele Vermieter wissen gar nicht genau, was zu tun ist oder welche Geräte wo verbaut sind und ob sie bereits fernablesbar sind. Der zweite Punkt ist der Zeitplan – je später man startet, desto enger werden die Umsetzungsfenster. Und drittens unterschätzen manche den organisatorischen Teil: uVI bedeutet, dass Prozesse für Zustellung und Datenpflege stehen müssen.
Frau Jung: Was ist ein sinnvoller Vorlauf, um die Frist entspannt einzuhalten?
Herr Werner: Je früher, desto besser – am besten jetzt mit Bestandscheck und Umrüstplan beginnen, denn das Fristende ist nicht mehr lange hin.
Frau Jung: Die Heizkostenverordnung sieht ein Kürzungsrecht von 3 % vor, wenn Pflichten nicht erfüllt werden, etwa die Informationspflicht. Was raten Sie Vermietern organisatorisch, um solche Risiken zu vermeiden?
Herr Werner: Wichtig ist vor allem frühzeitig strukturiert vorzugehen: Erst den Gerätebestand prüfen, dann die Umrüstung bis Ende 2026 planen und parallel die uVI Bereitstellung vorbereiten. Das Kürzungsrecht ist ein Signal, dass es nicht reicht, abzuwarten – man muss aktiv werden und die Informationspflicht zuverlässig umsetzen.
Frau Jung: Was bedeutet Funk /Fernablesung ganz praktisch – was ändert sich gegenüber der klassischen, alten „Vor Ort Ablesung“?
Herr Werner: Der praktische Unterschied ist: Für Ablesung und in vielen Fällen auch Funktionsprüfungen muss dann niemand mehr in die Wohnung. Das reduziert Terminaufwand, Nachtermine und Schätzungen deutlich. Gleichzeitig werden Verbrauchswerte automatisiert ins System übernommen, was Prozesse für Abrechnung und Information einfacher und besser macht.
Frau Jung: Welche Bausteine gehören zur Funk Infrastruktur typischerweise dazu?
Herr Werner: Im Kern sind es funkfähige Erfassungsgeräte – z. B. Funk Heizkostenverteiler und Funk Wasser-/Wärmezähler – und eine Infrastruktur im Gebäude, ein batteriebetriebener Datensammler im Treppenhaus. Die Geräte senden Werte regelmäßig an diesen Smart Reader, und der überträgt sie sicher weiter zur Verarbeitung.
Frau Jung: Können Sie den Datenweg einmal kurz erklären – vom Messgerät bis zur monatlichen Verbrauchsinformation?
Herr Werner: Die Funkgeräte in den Wohnungen senden die Messwerte an den Smart Reader, der sie automatisch und verschlüsselt an das Techem Rechenzentrum übermittelt. Dort werden die Daten entschlüsselt, aufbereitet und stehen dann als Grundlage für Services wie die uVI bereit. Die Verbrauchsinfo von Techem ist DSGVO konform und orientiert sich an etablierten technischen Standards; zudem wird die Übertragung im System verschlüsselt.
Frau Jung: Was muss eine monatliche uVI mindestens enthalten und wie stellt Techem sie zu?
Herr Werner: Inhaltlich geht es um den aktuellen Verbrauch und Vergleiche – zum Vormonat, zum gleichen Monat im Vorjahr und zu einem Durchschnittsnutzer derselben Nutzerkategorie, soweit Daten vorliegen. Für die Zustellung bieten wir zwei gängige Wege: online über das Mieterportal (Link per E Mail) oder auch per Post, wenn keine E Mail-Adresse vorliegt.
Frau Jung: Kommen wir zu Strom und Gas: Was ist Smart Metering – und was ist ein intelligentes Messsystem (iMSys)?
Herr Werner: Smart Metering ist der digitale Messstellenbetrieb für Strom und Gas. Technisch meint iMSys ein System aus digitalem Stromzähler (moderne Messeinrichtung) plus Smart Meter Gateway als Kommunikationsmodul. Damit lassen sich Verbräuche präziser erfassen und automatisiert verfügbar machen – auch hier ohne manuelle Ableseprozesse bzw. ohne, dass jemand zur Ablesung ins Gebäude muss.
Frau Jung: Warum wird Smart Metering besonders relevant, wenn im Mehrfamilienhaus Wärmepumpen, PV, Ladeinfrastruktur oder dynamische Tarife ins Spiel kommen?
Herr Werner: Weil man dann nicht nur wissen muss, wie viel Strom verbraucht wird, sondern auch wann. Smart Metering macht zeitliche Verbrauchsprofile sichtbar und ist damit Grundlage für Lastmanagement, Tarifanpassungen oder die gezielte Nutzung von lokal erzeugtem Strom – z. B. aus PV.
Frau Jung: Können Sie das an einem Mehrfamilienhaus Beispiel erklären?
Herr Werner: Durch Smart Metering können Sie in einem Mehrfamilienhaus mit PV Anlage und Wärmepumpe gezielt steuern, dass Verbraucher vor allem dann laufen, wenn Strom günstig ist oder selbst erzeugt wird. Die Wärmepumpe heizt zum Beispiel tagsüber vor, wenn viel Solarstrom verfügbar ist, und Geräte wie Wallboxen laden bevorzugt in günstigen Zeitfenstern. So vermeiden Sie teure Verbrauchsspitzen, nutzen Ihren eigenen Strom besser und senken insgesamt die Energiekosten.
Frau Jung: Wenn ein Mitglied heute sagt: ‚Ich plane Wärmepumpe oder PV – oder ich will meine Stromzähler digitalisieren‘: Was sind die ersten drei Schritte?
Herr Werner: Erstens: Bestandsaufnahme – welche Zähler sind vorhanden, welche Daten werden gebraucht? Zweitens: Zielbild klären – geht es um dynamische Tarife, PV-Nutzung, Mieterstrom oder Monitoring/ESG Reporting? Drittens: Gemeinsam planen – also Technik und Zeitplan so aufsetzen, dass die Daten später zentral verfügbar sind und Prozesse automatisiert laufen können.
Frau Jung: Ihr Fazit in drei Punkten: Was sollten private Vermieter jetzt sofort tun – mit Blick auf 2026/2027 und die digitale Stromwelt?
Herr Werner: Erstens: Gerätebestand prüfen und Umrüstung auf fernablesbare Technik bis Ende 2026 in einen realistischen Zeitplan bringen. Zweitens: uVI Prozess sauber aufsetzen – idealerweise so, dass Zustellung und Pflegeaufwand automatisiert sind.
Drittens: Bei anstehenden Planungen für Wärmepumpe/PV/Ladeinfrastruktur frühzeitig Smart Metering für das gesamte Gebäude mitdenken. Gebäude ganzheitlich denken, weil Daten die Grundlage für wirtschaftliche Optimierung und neue Versorgungsmodelle sind.
Frau Jung: Wo können Mitglieder konkret starten – und was sollten sie bereithalten?
Herr Werner: Mitglieder die bereits techem Kunden sind, kann die uVI einfach im Kundenportal oder durch einen Anruf bei uns beauftragt werden. Für Umrüstung und Smart Metering ist es ausreichend, wenn man in einem ersten Gespräch mit uns einige Informationen zum Gebäude nennt. Details ergeben sich dann in der Beratung, Jedes Gebäude hat seine Besonderheiten für die wir dann gemeinsam die richtige Lösung finden.
Aufschieben sollten Vermieter diese Gespräche jedoch nicht!
Frau Jung: Vielen Dank Herr Werner für das Gespräch. Es war wirklich informativ.
Herr Werner: Sehr gern. Ich danke auch.