Podiumsdiskussion zur Bürgerschaftswahl 2027
ZEHN FORDERUNGEN VON HAUS & GRUND ZUR BÜRGERSCHAFTSWAHL 2027
Was sich jetzt ändern muss
Mehr Wohnraum, verlässliche Bedingungen für private Vermieter, bezahlbares Bauen, Planungssicherheit bei der Wärmewende und weniger staatlich verursachte Wohnkosten: Mit zehn Forderungen zur Bürgerschaftswahl 2027 macht der Haus & Grund Landesverband Bremen deutlich, welche wohnungs- und eigentumspolitischen Weichen in der kommenden Legislaturperiode gestellt werden müssen.
Am 30. Mai 2027 wird die Bremische Bürgerschaft neu gewählt. Für Haus & Grund ist klar: Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob in Bremen und Bremerhaven wieder mehr Wohnraum entsteht und private Eigentümer bereit bleiben, in ihre Immobilien zu investieren. Die Herausforderungen sind bekannt. Entscheidend ist jetzt, welche konkreten politischen Konsequenzen daraus gezogen werden.
Haus & Grund hat deshalb zehn Forderungen formuliert, an denen wir die wohnungs- und eigentumspolitischen Entscheidungen der kommenden Legislaturperiode messen wollen. Dabei geht es nicht darum, von der Politik Lösungen für jede Entwicklung auf dem Immobilienmarkt zu erwarten. Grundstückspreise, Zinsen oder allgemeine Baukosten lassen sich nur begrenzt politisch steuern. Sehr wohl beeinflussen kann die Politik aber Steuern und Gebühren, Genehmigungsverfahren, landesrechtliche Anforderungen, Förderbedingungen und nicht zuletzt das Vertrauen privater Eigentümer in langfristig verlässliche Rahmenbedingungen.
Unser Leitgedanke lautet deshalb: Wohnraum braucht Vertrauen.
Private Vermieter tragen einen wesentlichen Teil der Wohnraumversorgung in Bremen und Bremerhaven. Viele vermieten nur wenige Wohnungen, kümmern sich persönlich um ihre Immobilien und pflegen langfristige Mietverhältnisse. Die Ergebnisse unserer Vermieterbefragung 2026 zeigen jedoch, wie stark das Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen inzwischen gelitten hat. 63,8 Prozent der befragten Bremer Vermieter halten bei weiteren Regulierungen einen teilweisen oder vollständigen Rückzug aus der Vermietung für wahrscheinlich.
Das ist ein Warnsignal.
Haus & Grund fordert deshalb einen Kurswechsel. Mietpreisbremse und abgesenkte Kappungsgrenzen lösen den Wohnungsmangel nicht. Zusätzliche Regulierung schafft keine neue Wohnung und darf nicht dazu führen, dass private Eigentümer Investitionen zurückstellen oder sich aus der Vermietung zurückziehen.
Private Vermieter müssen wieder als Partner der Wohnungspolitik behandelt werden.
Bremen und Bremerhaven verfügen weiterhin über erhebliche Möglichkeiten für zusätzlichen Wohnungsbau. Dazu gehören ehemalige Gewerbe- und Konversionsflächen ebenso wie andere geeignete Entwicklungsflächen. Gleichzeitig steckt auch im vorhandenen Gebäudebestand erhebliches Potenzial. Dachausbauten, Aufstockungen, Nachverdichtungen und die Umnutzung bestehender Gebäude können zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen in Anspruch zu nehmen.
Neubau und Weiterentwicklung des Bestandes dürfen deshalb nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Wir brauchen beides.
Geeignete Flächen müssen konsequent für Wohnungsbau aktiviert, Planungsverfahren beschleunigt und bestehende Möglichkeiten zur schnelleren Schaffung von Wohnraum tatsächlich genutzt werden.
Mehr Wohnraum entsteht nur, wenn jemand bereit ist, ihn zu bauen und zu finanzieren. Das gilt für den frei finanzierten ebenso wie für den geförderten Wohnungsbau. Förderprogramme müssen deshalb verlässlich, ausreichend ausgestattet und langfristig kalkulierbar sein. Wer mehr geförderten Wohnraum schaffen möchte, muss Bedingungen anbieten, unter denen sich auch private Eigentümer und Investoren beteiligen können. Gleichzeitig darf der vorhandene Wohnungsbestand nicht aus dem Blick geraten. Energetische Modernisierung, altersgerechter Umbau und laufende Instandhaltung erfordern erhebliche Investitionen.
Unsere Vermieterbefragung zeigt, dass 72,2 Prozent der befragten Bremer Eigentümer ihre Investitionen überwiegend aus Eigenkapital finanzieren.
Politik muss private Investitionen ermöglichen – nicht zusätzlich erschweren.
Die kommunale Wärmeplanung wird für viele Eigentümer zu einer der wichtigsten Grundlagen zukünftiger Investitions- entscheidungen. Dabei geht es vor allem um ganz praktische Fragen:
Kommt in meiner Straße Fernwärme? Wann kommt sie? Und zu welchen Bedingungen?
Wer heute eine Heizungsanlage erneuern muss, kann nicht jahrelang auf belastbare Informationen warten. Investitionen in die Wärmeversorgung eines Gebäudes werden für Jahrzehnte getroffen.
Haus & Grund fordert deshalb möglichst frühzeitig konkrete und verlässliche Aussagen darüber, wo Wärmenetze entstehen und wann tatsächlich mit einem Anschluss gerechnet werden kann.
Die Wärmewende braucht nicht nur Ziele, sondern Planungssicherheit für diejenigen, die sie finanzieren und umsetzen müssen.
Wohneigentum schafft Vermögen, dient der Altersvorsorge und gibt Menschen langfristige Sicherheit. Doch gerade für junge Familien und Haushalte mit mittleren Einkommen wird der Erwerb der eigenen vier Wände immer schwieriger. Hohe Immobilienpreise und Finanzierungskosten treffen auf erhebliche Erwerbsnebenkosten.
Haus & Grund fordert deshalb, die Bildung selbstgenutzten Wohneigentums wieder ausdrücklich zu einem Ziel der Bremer Wohnungspolitik zu machen.
Dazu gehören insbesondere Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer für Ersterwerber und Selbstnutzer sowie geeignete Fördermöglichkeiten für Familien und für den Erwerb von Bestandsimmobilien.
Wer mehr Wohneigentum will, muss den Weg in die eigenen vier Wände erleichtern.
Bezahlbares Wohnen ist nicht nur eine Frage der Miete. Die Grundsteuer belastet selbstnutzende Eigentümer unmittelbar und erhöht bei vermieteten Immobilien als Bestandteil der Betriebskosten zugleich die Wohnkosten der Mieter.
Weitere Belastungssprünge müssen deshalb vermieden werden.
Haus & Grund fordert eine transparente, nachvollziehbare und dauerhaft tragfähige Grundsteuer. Perspektivisch sollte Bremen prüfen, ob ein einfacheres und stärker wertunabhängiges Modell nicht gerechter, transparenter und weniger streitanfällig wäre.
Die Grundsteuer darf nicht zum Instrument werden, mit dem steigender Finanzbedarf auf das Wohnen verlagert wird.
Auch Müllentsorgung, Wasser und Abwasser, Straßen- reinigung und weitere kommunale Gebühren gehören zu den tatsächlichen Kosten des Wohnens.
Gerade hier besteht Handlungsbedarf. Beim Müllgebührenranking 2026 erreichte Bremen lediglich Rang 67 unter den 100 größten deutschen Städten, Bremerhaven sogar nur Rang 92.
Haus & Grund fordert deshalb einen Wohnkostencheck für kommunale Entscheidungen.
Bei neuen oder steigenden Gebühren muss transparent dargestellt werden, welche zusätzlichen Belastungen dadurch für Eigentümer und Mieter entstehen. Gleichzeitig müssen Gebühren regelmäßig auf Wirtschaftlichkeit und Angemessenheit überprüft werden.
Bezahlbares Wohnen ist auch eine Aufgabe der Gebührenpolitik
Wer in Bremen oder Bremerhaven bauen, umbauen oder modernisieren möchte, braucht eine Verwaltung, die Investitionen ermöglicht und nicht unnötig verzögert. Mit den Änderungen der Bremischen Landesbauordnung sind wichtige Schritte zur Beschleunigung und Vereinfachung auf den Weg gebracht worden. Diese Ansätze begrüßen wir. Entscheidend ist nun, dass sie in der täglichen Verwaltungspraxis tatsächlich wirken.
Genehmigungsverfahren müssen schneller, transparenter und möglichst vollständig digital abgewickelt werden. Zuständig-keiten müssen klar geregelt sein und unnötige Nachweis- und Dokumentationspflichten gehören auf den Prüfstand.
Der Erfolg von Bürokratieabbau zeigt sich nicht in neuen Vorschriften, sondern in kürzeren und einfacheren Verfahren.
Lebenswerte Quartiere brauchen mehr als gute Wohnungen. Farbvandalismus, Vermüllung, illegale Abfallablagerungen und Sachbeschädigungen beeinträchtigen das Stadtbild und verursachen erhebliche Kosten – häufig bei privaten Eigentümern.
Wer von Eigentümern verlangt, ihre Gebäude zu erhalten, zu modernisieren und in das Erscheinungsbild der Quartiere zu investieren, muss zugleich dafür sorgen, dass privates und öffentliches Eigentum geschützt wird.
Haus & Grund fordert deshalb ein konsequenteres gemeinsames Vorgehen von Politik, Verwaltung, Polizei und Justiz gegen Farbvandalismus, Vermüllung und Sachbeschädigungen.
Eigentum verdient Schutz und Respekt.
Mehr Wohnraum, energetische Modernisierung, Wärme- wende, altersgerechter Umbau und lebenswerte Quartiere: Die Aufgaben der kommenden Jahre können nicht allein durch den Staat bewältigt werden. Private Eigentümer investieren eigenes Kapital, übernehmen wirtschaftliche Verantwortung und stellen einen wesentlichen Teil des Wohnraums in Bremen und Bremerhaven bereit. Ihre Erfahrungen müssen deshalb stärker in politische Entscheidungen einfließen.
Haus & Grund fordert, private Eigentümer und ihre Interessenvertretungen frühzeitig und ernsthaft in wohnungs-, bau-, klima- und steuerpolitische Entscheidungen einzubeziehen.
Wer Eigentümer für die Umsetzung politischer Ziele braucht, muss mit ihnen sprechen, bevor die Entscheidungen getroffen werden.
Daran werden wir die Politik messen.
Mit diesen zehn Forderungen beginnt für Haus & Grund die wohnungs- und eigentumspolitische Begleitung der Bürgerschaftswahl 2027.
Dabei wollen wir nicht nur Forderungen formulieren, sondern mit den politischen Verantwortlichen darüber diskutieren, welche konkreten Antworten sie auf die Herausforderungen des Wohnungsmarktes geben.
Eine erste wichtige Gelegenheit dazu bietet unsere Podiumsdiskussion
am 12. November 2026 um 18.00 Uhr in der Handwerkskammer Bremen.
Unter dem Titel „Wohnen in Bremen – Herausforderungen und Perspektiven für die kommende Legislaturperiode“
werden wir mit führenden Vertreterinnen und Vertretern der Bremer Politik über die Zukunft des Wohnens diskutieren.
Unsere zehn Forderungen bilden dafür eine wichtige Grundlage. Wir wollen wissen: Wie soll mehr Wohnraum entstehen? Wie bleiben private Vermietung und Investitionen attraktiv? Wie wird die Wärmewende für Eigentümer planbar? Was geschieht gegen steigende Steuern und Wohnnebenkosten? Und wie soll wieder mehr Menschen der Weg ins Wohneigentum ermöglicht werden?
Bis zur Bürgerschaftswahl werden wir diese Fragen weiterverfolgen und die politischen Positionen für unsere Mitglieder transparent machen. Denn am Ende geht es um eine zentrale Voraussetzung für eine funktionierende Wohnungspolitik:
Wohnraum braucht Vertrauen.
Vertrauen darauf, dass Investitionen sich langfristig tragen. Vertrauen in verlässliche politische Rahmenbedingungen. Und Vertrauen darauf, dass privates Eigentum als Teil der Lösung für die Herausforderungen des Wohnungsmarktes verstanden wird.