Haus & Grund Deutschland

Mohrenstraße 33, 10117 Berlin
Telefon 030 | 20216-0
» Kontakt

Wohnungspolitik
und
Stadtentwicklung
Menü
Demografischer Wandel
Der demografische Wandel bringt auch für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft in Deutschland weitreichende Veränderungen mit sich. Der Rückgang der Bevölkerung auf etwa 65 Millionen Personen im Jahr 2060 geht bis zum Jahr 2025 noch mit einer steigenden Anzahl an Haushalten einher. Diese Tatsache wird dafür sorgen, dass die quantitative Nachfrage nach Wohnraum bis zu diesem Zeitpunkt weiterhin ansteigt.

alte LeuteGleichzeitig werden sich die Anforderungen der immer älter werdenden Nachfrager an die Qualität des Wohn-raums aber bereits in den nächsten Jahren stark verändern.

Im Jahr 2008 lebten etwa vier Millionen 80-Jährige und ältere in Deutschland, dies entsprach fünf Prozent der Bevölkerung. Ihre Zahl wird kontinuierlich steigen und mit über zehn Millionen im Jahr 2050 den bis dahin höchsten Wert erreichen.

Dementsprechend wird barrierearmer Wohnraum wichtiger, die Bedeutung der Anzahl an Kinderzimmern für die Vermietbarkeit von Wohnungen dürfte abnehmen. Ab dem Jahr 2029 werden deutschlandweit auch die Anzahl der Haushalte und die Nachfrage nach Wohnraum sinken.

Die Politik muss sicherstellen, dass die Wohnungswirtschaft ihr Angebot möglichst reibungslos den veränderten Rahmenbedingungen anpassen kann.
Stadtentwicklung
Der demografische Wandel wird mit einer qualitativen Nachfrageveränderung beziehungsweise vielerorts sogar mit einer rückgängigen Nachfrage nach Wohnraum einhergehen. Diese Entwicklungen erfordern es, dass sich Einzeleigentümer verstärkt mit der Zukunft ihrer Immobilie vertraut machen. Dies umfasst auch das eigene Quartier und Stadtviertel. Die Rahmenbedingungen des Wohnungsmarktes sollten aus Sicht von Haus & Grund Deutschland für alle Anbieter ausgewogen ausgestaltet sein. Dementsprechend sollten die unterschiedlichen Anbietergruppen ebenfalls ausgewogen bei der zukünftigen Gestaltung der Städte und Kommunen einbezogen werden.
Städtebauförderung
InnenstadtförderungDie Städtebauförderung des Bundes leistet einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung der Städte und Gemeinden. Die Politik hat die – auch durch die demografische Entwicklung ausgelöste – notwendige Rück­besinnung auf die Innen­städte prinzipiell erkannt. Da der größte Teil des inner­städtischen Wohnungs­bestandes im Eigentum Privater steht, ermög­licht nur die Einbeziehung dieser Gruppe eine erfolg­reiche Innen­stadt­entwick­lung. Die in der letzten Legis­latur­periode regel­mäßig disku­tierten Kürzungen des Bundes­haushalts im Bereich der Städte­bau­förde­rung hätten not­wendige Projekte der Stadt­entwick­lung erheb­lich beein­träch­tigt, viel­fach sogar verhin­dert. Die Bundes­regierung hat in ihrem jüngsten Subven­tions­bericht betont, dass der erheb­liche Rück­gang des Subven­tions­volumens ins­gesamt auf ein deut­liches Ab­sinken der Sub­ven­tionen im Bereich des Wohnungs­wesens zurück­zuführen ist.

2012 machten die Subven­tionen des Bundes in diesem Bereich ledig­lich acht Prozent des gesamten Subventions­volumens aus. Vor diesem Hinter­grund begrüßt Haus & Grund Deutschland umso mehr, dass in der 18. Legis­latur­periode die Mittel im Bereich der Stadt­ent­wick­lung aufge­stockt werden. In Zukunft sollten verstärkt jene Politik­felder an der Haus­halts­sanie­rung beteiligt werden, die anders als der Wohnungs­sektor bislang keine oder nur marginale Spar­anstren­gungen tragen mussten. Eine Erhöhung der Effizienz der in der Städte­bau­förde­rung einge­setzten Haus­halts­mittel könnte darüber hinaus durch eine Straf­fung der Programm­struk­turen erreicht werden, etwa durch eine Verringe­rung der Anzahl der Programme der Städte­bau­förderung.

Als Leitprogramme der Städte­bau­förde­rung sollten in Zukunft die „Soziale Stadt“ und das sogenannte
Zentren­programm fungieren. Das Zentren­programm trägt der begon­nenen Rück­besinnung auf die Innen­städte in angemes­sener Weise Rechnung und ergänzt das universell einsetz­bare Programm Soziale Stadt optimal. Die im Rahmen der bis­herigen Pro­gramme ent­wickelten Instru­mente sind geeig­net, alle Ziele der Stadt­entwick­lungs­politik effizient und nach­haltig zu erreichen. Von zusätz­lichen Programmen ist daher in jedem Fall abzusehen. Das in der Diskussion stehende Programm zur Revitali­sierung militärischer Brachen eröffnete keine neuen Handlungs­möglich­keiten, die über die des Programms Stadt­umbau West hinausgingen. Die in der 17. Wahl­periode erfolg­reich begonnene Einbe­ziehung privater Eigentümer in Stadt­entwick­lungs­prozesse ist fort­zu­setzen und zu vertiefen.
KiQ: Kooperation im Quartier
KiQ 2013 HofMit dem Projekt „Kooperation im Quartier“, ein Forschungshaben des "Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus" (ExWoSt), fördert der Bund Modellvorhaben, die verschiedene Formen der Kooperation von privaten Immobilieneigentümern und Kommunen erproben. Das Ziel der Modellvorhaben ist eine Aufwertung innerstädtischer Wohnquartiere und die zukunftsgerechte Anpassung der Wohnungsbestände.

Die Modellvorhaben sollen Impulse für private, gemeinschaftlich getragene Initiativen in Kooperation mit den Kommunen vermitteln und helfen, beispielhafte, bezahlbare und alltagstaugliche Lösungen zu finden. Dabei koordinieren die beteiligten örtlichen Haus & Grund-Vereine federführend die einzelnen Eigentümer und verantworten die Steuerung der Maßnahmen im Gebäudebereich. Die Aufgabe der Kommune ist es, gemeinsam mit dem Haus & Grund-Verein das Projekt zu steuern und flankierend den öffentlichen Raum aufzuwerten. Aus den Erfahrungen sollen Hinweise für die Weiterentwicklung der Städtebau- und Wohnungspolitik abgeleitet und der Wissenstransfer von der Wissenschaft in die Praxis unterstützt werden.

Um die Einbeziehung privater Immobilieneigentümer stetig und fortwährend zu verbessern, sind die konsequente Fortführung des Projekts sowie die Umsetzung der Ergebnisse unerlässlich. Es empfiehlt sich daher eine grundsätzliche Abstimmung der Programme der Städtebauförderung mit den Ergebnissen des Forschungsvorhabens und die Einführung der im Forschungsfeld geschaffenen Instrumente und erprobten Vorgehensweisen in die Programme. Nach Abschluss des Projekts im Frühjahr 2015 sollte zur Verstetigung der gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Haus & Grund ein Anschlussvorhaben angestrebt werden. Als besonders geeignet erscheint hier der Themenkomplex der energetischen Quartierssanierung unter Einbeziehung der Erfahrungen und Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt KiQ.

» Ausführliche Dokumentation zu KiQ lesen

Wohnraumförderung
Wesentliche Ziele der Wohnraumförderung sind die Schaffung und Modernisierung von Wohnungen. Der generationengerechte, altersgerechte Umbau sowie die energetische Modernisierung der Bestände sind integraler Bestandteil dieses Zielspektrums. Die Wohnraumförderung der Länder sollte darüber hinaus stärker auf die Modernisierung und Anpassung innerstädtischer Bestände, insbesondere Altbauten und Denkmale, fokussiert werden. Dafür muss ein verlässlicher Finanzierungsrahmen zur Verfügung stehen und eine strategische Ausrichtung der Wohnraumförderung an den Zielen der Stadtentwicklung erfolgen. So können Investitionen in zukunftsfähige Stadtquartiere gelenkt werden.

Der Bund gewährt den Ländern als Ausgleich für den Wegfall der bis zur Föderalismusreform bereitgestellten Bundesfinanzhilfen Kompensationsmittel aus dem Bundeshaushalt. Die Höhe beträgt im Zeitraum bis 2019 jährlich 518,2 Millionen Euro. Unter der Bedingung, dass diese Mittel tatsächlich zweckgebunden für investive Maßnahmen der Wohnraumförderung eingesetzt werden, begrüßt Haus & Grund diese Zusage des Bundes. Darüber hinaus sollten die Länder für die Wohnraumförderung zusätzlich eigene Mittel zur Verfügung stellen. Die Weiterführung der Kompensationsmittel des Bundes darf dabei nicht zu einer Verringerung oder Abschaffung anderer immobilienwirtschaftlicher Förderprogramme führen.
Verfügungsfonds
Verfügungsfonds
Der Verfügungsfonds als hoheitliches Anreizinstrument für die kooperative Unterstützung der Städtebauförderung durch privatwirtschaftliche Akteure der Stadtentwicklung wird von Haus & Grund Deutschland als wichtiges Instrument für die Einbeziehung privater Eigentümer in die Stadtentwicklungspolitik angesehen.

Nach der Einführung des Instruments im Jahr 2008 ist eine größere Verbreitung bedauerlicherweise nicht erfolgt. In einigen Ländern ist die Verwendung des Verfügungsfonds nicht vorgesehen.

Im Rahmen von Verfügungsfonds können am Fonds beteiligte private Akteure in einem vorgegebenen Rahmen auch Projekte in Eigenregie in den Gebieten der Städtebauförderung gestalten und umsetzen. Diese eigentümernahe Herangehensweise und die paritätische Finanzierung des Fonds aus öffentlichen und privaten Mitteln ist aus der Sicht von Haus & Grund Deutschland ein Erfolg versprechendes Instrument zur Ansprache privater Eigentümer.

Der Einsatz von Verfügungsfonds sollte daher intensiviert werden. Dafür ist es nötig, dass die Länder dieses Instrument nicht nur akzeptieren, sondern aktiv zur Anwendung empfehlen. Ferner sollte der Bund den Kommunen nahelegen, Verfügungsfonds gegenüber privaten Akteuren der Stadtentwicklung aktiv zu bewerben.